Vierte Säule: Mit 3a-Geldern werden Banken subventioniert

Zürich Paradeplatz profitiert am Sparen 3a.
Zürich Paradeplatz profitiert am Sparen 3a.

Gut 21 Milliarden Franken gehen dem Bund jährlich verloren wegen all der Abzüge, die man in der Steuererklärung vornehmen kann. Darüber hat diese Zeitung in der zurückliegenden Woche berichtet. 

 

Viele Steuererleichterungen sind gewollt, etwa um Familien zu entlasten oder die Vorsorge zu fördern. Dumm nur, dass vor allem die Vorsorge der besser Gestellten gefördert wird. Nur sie sind in der Lage, den maximal erlaubten Betrag in die steuerbegünstigte Säule 3a einzuzahlen oder freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse zu tätigen.

«Wer hat, dem wird gegeben», schrieb der «Beobachter». Es steht in der Verfassung, dass der Bund die Vorsorge mit steuerlichen Anreizen fördern muss: «Er fördert in Zusammenarbeit mit den Kantonen die Selbstvorsorge namentlich durch Massnahmen der Steuer- und Eigentumspolitik», steht in Artikel 111. Es steht aber nirgends, dass auch Banken und Versicherungen mit steuerlichen Massnahmen zu fördern sind.

 

Doch genau das wird mit dem steuerbegünstigen Sparen 3a gemacht. Wer das Geld auf ein Konto 3a oder für eine Versicherungspolice 3a einzahlt, tut dies höchstens in zweiter Linie für die Vorsorge. In erster Linie tut man dies wegen der Steuerersparnis. Davon profitieren nicht nur die Steuerzahler, sondern auch die Geldhäuser: Sie kassieren Milliardenbeiträge, die in den meisten Fällen während Jahrzehnten unangetastet auf dem Konto bleiben und zu einem verhältnismässig bescheidenen Zins verzinst werden.

 

Noch schlimmer: Sie überreden die Kunden dazu, mit diesem 3a-Geld spezielle Vorsorgefonds zu kaufen. Für die Banken ist das lukrativ, weil sie mit solchen Fonds dank der überrissenen Managementgebühren viel Geld verdienen – und all dies nur deshalb, weil der Kunde Steuern sparen kann. Wer 6000 Franken aufs Konto 3a überweist, wird damit für das betreffende Jahr 1500 bis 2000 Franken weniger Steuern zahlen müssen. Die Förderungen der Vorsorge ist gewollt. Die Subventionierung der Banken hingegen nicht. Aufmerksame Leser dieser Zeitung werden sich erinnern, dass ich das nicht zum ersten Mal bemängle. Es gibt Mängel, die kann man nicht genug wiederholen.

 

Erschienen am 21. Februar 2012

Claude Chatelain