Vierte Säule: Die Veranlagungsverfügung ist eine Zumutung

Steuerverwalter Bruno Knüsel.
Steuerverwalter Bruno Knüsel.

Die Steuererklärung ist kompliziert, weil auch das Steuergesetz kompliziert ist. Sie ist aber auch kompliziert, weil die Steuerverwaltung des Kantons Bern sie kompliziert macht. Ich denke vor allem an die Veranlagungsverfügung. Sie kommt ganz anders daher als die Steuererklärung. Beide sind ganz anders aufgebaut. Das macht es extrem schwierig, die Veranlagungsverfügung zu kontrollieren. Das bestätigen mir selbst Profis, die täglich solche Verfügungen sehen und am Steuertelefon Ihre Fragen beantworten. Das nächste Mal am 7. März.

Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Deshalb lege ich aus eigener Erfahrung allen Steuerzahlern ans Herz, die Verfügung zu kontrollieren. Wird die Steuererklärung online oder mit der CD ausgefüllt, so kann man nachsehen, wie hoch das steuerbare Einkommen und die effektive Steuer zu stehen kommen. Weicht die Verfügung von diesen Angaben ab, so muss man Posten für Posten durchgehen und Abweichungen zwischen Steuererklärung und Verfügung suchen. Für Laien ist das kein einfaches Unterfangen. Wird jedoch die Steuererklärung von Hand ausgefüllt, hat man keine Anhaltspunkte, wie hoch die Steuer ausfallen wird. Dann ist es doppelt schwierig, allfällige Fehler in der Verfügung auszumachen.

 

Völlig irreführend ist zum Beispiel, dass die Veranlagungsbehörde in der Kolonne der deklarierten Abzüge eine Null einsetzt und den Betrag in der Kolonne der Korrekturen anbringt. Das sieht so aus, als sei der Abzug in der Selbstdeklaration vergessen gegangen. Mit anderen Worten: In der Kolonne der selbst deklarierten Angaben steht nicht immer, was man selbst deklariert hat. Da soll noch jemand draus kommen. Es genügt also nicht, beim Kontrollieren der Verfügung bloss die Korrekturspalte durchzugehen. Auch die Spalte der selbst deklarierten Angaben muss wie ein Häftlimacher überprüft werden. Immerhin: Die Steuerverwaltung hat das Problem erkannt. Doch die Umstellung ist informationstechnologisch eine riesige Übung. Eine Besserung ist daher frühestens 2013, wahrscheinlich aber erst 2014 zu erwarten.

 

Erschienen in der BZ am 28. Februar 2012

Claude Chatelain