Eine Bank von Kirchdorf bis Langenthal

Die Spar- und Leihkasse Münsingen und die Bernerland-Bank in Sumiswald wollen fusionieren. Für Beobachter der Szene ist dieser Zusammenschluss sinnvoll, vor allem wegen der steigenden Kosten im Bankwesen.

«Wir wollen uns für die Zukunft nachhaltig absichern», erklärt Peter Ritter, Geschäftsführer der Bernerland-Bank in Sumiswald. Wenn sich der Trend der sinkenden Margen und des zunehmenden Kostendrucks fortsetze, so müsse man vorzeitig die Weichen stellen, solange man noch aus einer Position der Stärke handeln könne. Aus dieser Position der Stärke will nun die Bernerland Bank mit der leicht kleineren Spar- und Leihkasse Münsingen fusionieren.

 

Fast gleich tönt es aus dem Aaretal: «Wir ergänzen uns gut. Wir wollen gemeinsam weiter wachsen», sagt Beat Hiltbrunner, Vorsitzender der Spar- und Leihkasse Münsingen. In der Tat gibt es im Filialnetz kaum Überlappungen. Und im Communiqué steht, was in solchen Fällen meistens zu lesen steht: Man spricht von Skaleneffekten, höherem Wachstums- und Ertragspotenzial, einer Optimierung der Kostenstruktur und von der kritischen Grösse, die in Zukunft grösser sein werde als heute.

 

Grösser heisst nicht besser

 

Die Erfahrung lehrt freilich, dass eine Zusammenführung von zwei Bilanzen wohl zu grösseren, aber nicht unbedingt zu besseren Zahlen führt. Doch Hiltbrunner ist überzeugt, dass es etwa in der Informationstechnologie ein Kostensenkungspotenzial gibt.

 

Auch neutrale Beobachter orten ein Kostensenkungspotenzial. Denn nicht nur die Grossbanken haben mit steigenden Kosten zu kämpfen. Auch die Regionalbanken müssen mit immer höheren Aufwendungen klarkommen: Aufwendungen für die Einhaltung all der gesetzlichen und reglementarischen Vorgaben. Auch die strengeren Eigenmittelvorschriften und Liquiditätsanforderungen, die nicht nur den Grossbanken arg zusetzen, führen insgesamt zu höheren Kosten. «Die zunehmende Regulierungsdichte kann man nur mit einem zusätzlichen Wachstum auffangen», ist Fritz Ruprecht überzeugt. Ruprecht ist Inhaber der Firma Helveticstar, die sich auf ausserbörsliche Werte spezialisiert. Aus seiner Sicht ist der Schulterschluss zwischen den beiden Regionalbanken aus Kostengründen durchaus sinnvoll.

 

Ein anderer Branchenvertreter erklärte, dass insbesondere die Bernerland Bank von diesem Schulterschluss profitieren könne. Der Bank aus Sumiswald fehlten Eigenmittel und Ertragskraft, um weiter wachsen zu können. Zudem weise sie eine ungünstige Kostenstruktur auf. In einem Regionalbanken-Vergleich wies die Bernerland Bank ein Kosten-Ertrags-Verhältnis von 68 Prozent auf – das höchste der aufgeführten Banken (Ausgabe vom 3. Juni 2011). Ritter führt diesen relativ hohen Wert auf einmalige Investitionen zurück.

 

Ein anderer Grund der hohen Kostenstruktur ist das dichte Filialnetz. Die Bernerland Bank ist in einem dünn besiedelten Gebiet aktiv und braucht deshalb relativ viele Geschäftsstellen. Sie deckt mit 15 Filialen ein Einzugsgebiet von 170 000 Personen ab. Die S+L Münsingen kommt für ein Einzugsgebiet von 100 000 Personen mit lediglich 7 Filialen aus.

 

Noch handelt es sich erst um eine Absichtserklärung. Viele Fragen sind deshalb noch offen. Noch ist nicht entschieden, wer die neue Bank leiten wird. Häufig scheitern Fusionen gerade aus menschlichen Gründen, wenn sich zwei Geschäftsführer nicht einigen können, wer die neue Nummer eins sein wird. Auch der Name der neuen Bank ist noch nicht bekannt. Und schliesslich stellt sich die Frage, ob die neue Bank im Clientis-Verbund verbleiben wird. Peter Ritter sagt lediglich: «Die neue Bank ist gross genug, um die von Clientis angebotenen Leistungen selber zu erbringen.» Die Absichtserklärung brachte gestern keine Bewegungen im Aktienkurs. «Solange das Umtauschverhältnis der Aktien nicht bekannt ist, kann man keine Bewertung machen», sagt Fritz Ruprecht. Heute seien die Aktien der Bernerland-Bank tendenziell unterbewertet und jene der Spar- und Leihkasse Münsingen fair bewertet. Die Aktien der beiden Banken werden ausserbörslich gehandelt, zum Beispiel über die OTC-X, der Handelsplattform der Berner Kantonalbank BEKB.

 

Erschienen in der BZ am 17. Februar 2012

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Claude Chatelain