Vierte Säule: Agrisano kritisiert Helsana

Agrisano schreibt mir in einem Brief, dass sich Helsana und Atupri nicht an die gesetzlichen Vorgaben hielten. Ein happiger Vorwurf.

Ich rekapituliere: Am 13. Dezember zeigte ich an einem konkreten Beispiel, dass medizinische Leistungen von gewissen Kassen bezahlt werden und von anderen nicht, obschon es heisst, die Leistungen in der obligatorischen Grundversicherung seien bei allen Kassen identisch.

 

Es ging um folgendes Beispiel: Eine Frau musste nach einer Knieoperation in die Reha transportiert werden. Helsana bezahlte 50 Prozent der Kosten des Rotkreuzfahrdienstes, weil es sich um einen «medizinisch indizierten Krankentransport» handelt. Ein Jahr später musste die Frau das andere Knie operieren lassen, war jedoch inzwischen bei Agrisano versichert. Diese lehnte die Kostenübernahme ab, weil die Aufwendungen des Rotkreuzfahrdienstes nach ihren Angaben nicht unter die Leistungspflicht fallen.

 

Nach der Publikation dieses Beispiels beschwerte sich Agrisano bei mir: «Sie erwähnen nicht, dass einige Kassen unter dem Deckmantel ‹im Rahmen der gesetzlichen Leistungspflicht› jegliche Transportsituationen als KVG-Leistung anerkennen und sich somit nicht an die klare und verbindliche Krankenkassen-Leistungsverordnung (KLV) halten», schreibt der Marketingleiter Patric Hasler-Olbrych. Und weiter: «Mit Ihrem Beitrag spielen Sie korrekt und kostenbewusst arbeitende Krankenkassen gegen andere, nicht korrekt vorgehende Branchenmitarbeiter aus. Es wäre zwingend notwendig gewesen, in Ihrem Beitrag darauf hinzuweisen, dass Agrisano die einzige der im Beitrag erwähnten Kassen ist, die sich an die gesetzlichen Vorgaben hält.»

 

Aus diesem Satz schliesse ich, dass sich Helsana und Atupri, die im Artikel erwähnt wurden, nicht an das Gesetz halten und damit aus Sicht von Agrisano widerrechtlich handeln. Ich bleibe dabei: Die Medizin ist keine exakte Wissenschaft. Für den einen ist ein Transport «medizinisch indiziert» und für den anderen nicht. Das führt dazu, dass medizinische Leistungen von einigen Kassen bezahlt werden und von anderen nicht.

 

Erschienen in der BZ am 14. Februar 2012

Claude Chatelain