Die UBS gewinnt Vertrauen zurück

Die UBS blickt auf ein wenig berauschendes Geschäftsjahr zurück. Der Reingewinn beträgt 4,23 Milliarden Franken, 44 Prozent weniger als im Vorjahr. Das Investmentbanking drückt auf den Gewinn.

Was für den Aktionär enttäuschend ist, muss für den Steuerzahler nicht unbedingt schlecht sein. Enttäuschend ist für den Anleger, dass das Investmentbanking seit Mitte Jahr wieder rote Zahlen schreibt, nachdem in den ersten beiden Quartalen noch Gewinne ausgewiesen werden konnten. Der Steuerzahler kann dagegen mit Genugtuung feststellen, dass das Management auf Worte Taten folgen lässt und das Geschäft mit Aktien, Anleihen und Firmenübernahmen neu ausrichtet. Ein solcher Umbau ist immer auch mit Kosten verbunden. Übers Jahr gesehen resultiert trotzdem ein kleiner Vorsteuergewinn von 304 Millionen Franken (siehe Tabelle). Teresa Nielsen von der Bank Vontobel hat mit weniger gerechnet. Im Jahr zuvor betrug der Gewinn im Investmentbanking noch 2,2 Milliarden Franken. Dieser war jedoch mit höheren Risiken erzielt worden. Das zeigt sich etwa am risikogewichteten Kapital. Dieses verringerte sich allein im vierten Quartal 2011 von 197 auf 156 Milliarden Franken.

 

Bessere Kapitalbasis

 

Mit der Reduktion der risikogewichteten Aktiven verbessert sich die Kapitalbasis. Denn die Erfüllung der strengeren Eigenmittelvorschriften ist eine der grössten Herausforderungen der Grossbanken. Hier konnte die UBS gestern Erfolge präsentieren. «Wir sind auf dem richtigen Weg», sagte CEO Sergio Ermotti an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich. Die UBS sei eine der bestkapitalisierten Banken weltweit.

 

Die Reichen gehen zur UBS

 

Wichtiger als das Investmentbanking ist die Vermögensverwaltung. Die UBS unterscheidet zwischen Wealth-Management und Wealth-Management Americas. In diesen zwei Geschäftseinheiten konnte die UBS im vergangenen Jahr einen Nettozufluss von 35,6 Milliarden Franken verbuchen. Hier hatten die Analysten eher mehr erwartet. Wohl deshalb verlor die UBS-Aktie gestern in einem leicht positiven Umfeld 1,4 Prozent.

 

Zur Erinnerung: 2009 und im ersten Halbjahr 2010 waren die Abflüsse noch höher als die Zuflüsse. Der UBS scheint es demnach weiterhin zu gelingen, das Vertrauen der Kundschaft zurückzugewinnen. Die akquirierten Gelder stammen vorwiegend aus Asien, den aufstrebenden Ländern und den USA. Wobei die Ergebnisse in den Vereinigten Staaten nach wie vor unbefriedigend sind. Die Geschäftseinheit Wealth-Management Americas hat zwar einen Vorsteuergewinn von 504 Millionen Franken erzielt, gegenüber einem Verlust von 130 Millionen im Jahr zuvor. Doch gemessen an den verwalteten Vermögen von 709 Milliarden Franken, ist das immer noch äusserst bescheiden.

 

Das Wealth-Management ausserhalb der USA verwaltet nämlich mit 750 Milliarden nur unwesentlich mehr Vermögen, erzielte aber 2011 einen Vorsteuergewinn von 4,6 Milliarden Franken – neunmal mehr als das Wealth-Management Americas. 84 Prozent des Vorsteuergewinns der gesamten UBS werden vom Wealth-Management ausserhalb der Vereinigten Staaten erwirtschaftet.

 

Abfluss in der Schweiz

 

Und da wäre noch die Vermögensverwaltung in der Schweiz, die zur Geschäftseinheit Wealth-Management gehört. Hier könnte man nicht behaupten, dass die UBS das Vertrauen vollumfänglich hat zurückgewinnen können. Die Grossbank hat im vierten Quartal einen Nettoabfluss von 1,2 Milliarden Franken zu beklagen. Laut offizieller Lesart ist dieser Abfluss mit «saisonalen Konsumbedürfnissen» zu erklären, was vermutlich nur die halbe Wahrheit ist.

 

Erschienen in der BZ am 8. Februar 2012

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Claude Chatelain