Höchststrafe für den Verwaltungsrat der KPT

Nicht nur über Walter Bosch und Bernhard Liechti fällt die Finanzmarktaufsicht ein vernichtendes Urteil, sondern auch über die anderen KPT-Verwaltungsräte wie Alt-SVP-Nationalrat Simon Schenk.

Es ist alles noch schlimmer als befürchtet: Branchenbeobachter haben damit gerechnet, dass die Finanzmarktaufsicht (Finma) Walter Bosch und Bernhard Liechti ein Berufsverbot auferlegen würde. Doch sie geht noch weiter: Die Finma verbietet Bosch und Liechti, die eben erst als Präsident und Vizepräsident der KPT zurückgetreten sind, nicht nur eine leitende Tätigkeit im Finanzbereich während vier Jahren. Sie reicht zusätzlich Strafanzeige wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung ein. Zudem suspendiert sie drei andere Verwaltungsratsmitglieder und beauftragt den ehemaligen Zürich-Manager Peter Eckert, vorübergehend die Zügel an die Hand zu nehmen. Zur Erinnerung: Am 10. Mai 2010 gab die KPT-Spitze bekannt, mit der Sanitas fusionieren zu wollen. Damals fiel kein Wort darüber, dass mit einem solchen Schulterschluss eine persönliche Bereicherung der KPT-Bosse einhergegangen wäre. Am 19. November 2010 pfiff die Finma die Verantwortlichen zurück und leitete gegen Bosch, Liechti und CEO Christoph Bangerter ein Verfahren ein. Nach aufwendigen Abklärungen publizierte gestern die Aufsicht ihr vernichtendes Urteil. Sie stellt in ihrer Verfügung fest, «dass die KPT ihre aufsichtsrechtlichen Pflichten schwer verletzt hat».

Zahlreiche Verfehlungen

Folgende Verfehlungen legt die Finma dem Verwaltungsrat zur Last:

  • Die Verletzung von Sorgfalts- und Treuepflichten bei der Festsetzung des Preises von Aktien, die im Rahmen der geplanten Fusion mit der Sanitas hätten zurückgekauft werden sollen.
  • Bezug von Zahlungen aus Mandatsverträgen, denen keine Leistungen gegenüberstanden.
  • Aufsichtsrechtlich unzulässige Auflösung von Rückstellungen für die Finanzierung der Aktienrückkäufe.
  • Mangelnde Sorgfalt bei einem Darlehen, das der KPT-Verwaltungsrat für den Rückkauf der Mitarbeiteraktien gewährte.

Bekannt war, dass die Verwaltungsräte erhebliche Gewinne erzielt hätten, wäre der Rückkauf der Aktien nach ihren Vorstellungen abgelaufen. Bisher nicht bekannt war, dass sich die Verwaltungsräte – mit einer Ausnahme – auf andere Weise ungerechtfertigt bereicherten: Sie liessen sich zusätzlich zu den vereinbarten festen Verwaltungsratshonoraren und Boni «teils substanzielle Zahlungen» aus sogenannten Mandatsverträgen auszahlen, ohne dafür eine Leistung erbracht zu haben.

Drei Verwaltungsräte

Überraschend ist das harte Urteil über die anderen Verwaltungsräte, die zur Zeit der Fusionsverhandlungen im Amt waren. Sie werden suspendiert. Es sind dies:

  1. Sandra von May-Granelli, eine in der Bundesstadt bekannte Persönlichkeit, die VR-Präsidentin und Geschäftsleitungsvorsitzende der Privatschule Feusi ist.
  2. Willi Morger, ein erfahrener Versicherungsfachmann, der lange Jahre bei der Suva den Bereich Leistungen leitete.
  3. Simon Schenk, Eishockeyexperte und bis Ende der letzten Legislatur Berner Nationalrat der SVP.


Ebenfalls im Verwaltungsrat der Krankenversicherung KPT sassen zu jener Zeit der inzwischen verstorbene Jurist Rolf Jetzer sowie Urs Berger, Präsident der Mobiliar. Letzterer trat im Sommer 2010 aus dem Verwaltungsrat zurück, weil er die eben beschriebenen Machenschaften nicht mittragen wollte. Hart ins Gericht mit dem Entscheid der Aufsichtsbehörde geht Walter Bosch, der auch im Verwaltungsrat der Fluggesellschaft Swiss sitzt. Bosch bezeichnet die Anschuldigungen gegen seine Person als «ungeheuerlich, unzutreffend und unakzeptabel». Er will beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben. Das gleiche Ansinnen hegt der Treuhänder und ehemalige Vizepräsident Bernhard Liechti.

Bangerter reingewaschen

Christoph Bangerter, der Vorsitzende der Geschäftsleitung, wurde indessen von der Finma reingewaschen. Die Aufsichtsbehörde hat keine Massnahmen auf Stufe Geschäftsleitung getroffen. Nun ist es Aufgabe von Peter Eckert, einen neuen Verwaltungsrat zu bestellen. Etwas kurios ist hingegen die Situation für René Jenny, der eben erst vom Verwaltungsrat zum KPT-Präsidenten nominiert wurde. Mit der Affäre rund um das Aktienprogramm hat der ehemalige Galenica-Manager nichts zu tun. Er wird abwarten müssen, ob Peter Eckert ihn als den geeigneten Verwaltungsratspräsidenten der KPT betrachtet.

 

Peter Eckert

Finanzfachmann Peter Eckert, der von der Finma mit der vorübergehenden Führung der KPT beauftragt wurde, gilt als ausgewiesener Finanzfachmann. Er war unter anderem bis vor kurzem Verwaltungsrat der Bank Clariden Leu, die nun in die Credit Suisse integriert wird. Zuvor war Eckert bei der damaligen Eidgenössischen Bankenkommission tätig, und im Jahr 2008 war er für kurze Zeit noch Vizepräsident der

Finanzmarktaufsicht Finma. In seiner früheren beruflichen Laufbahn war er während sechzehn Jahren Mitglied der Konzernleitung von Zurich Financial Services. Von 1997 bis 2001 präsidierte er zudem den Europäischen Versicherungsverband CEA.

 

Erschienen in der BZ am 12. Januar 2012


Claude Chatelain