Sicher anlegen in unsicheren Zeiten

Tiefe Zinsen, launische Aktienmärkte, rekordhohe Schulden und unterfinanzierte Banken erschüttern die Wirtschaftswelt. Anleger bangen um ihre Ersparnisse. Mit der richtigen Anlagestrategie kann man sich Sorgen sparen.

Mit der erdrückenden Schuldenlast südeuropäischer Staaten und den wenig überzeugenden Durchhalteparolen nordeuropäischer Regierungschefinnen möchte manch einer sein Erspartes möglichst sicher anlegen. Wer bei seinem Geld auf Nummer sicher gehen will, nimmt sich folgende acht Tipps zu Herzen.

 

1. «Cash ist king», doch achten Sie darauf, nicht mehr als 100 000 Franken auf dem Sparkonto ein und derselben Bank zu halten. Der Einlegerschutz wurde erst kürzlich von 30 000 auf 100'000 Franken erhöht.

 

2. Eröffnen Sie fürs steuerbegünstigte Alterssparen bei einer Bank ein Konto 3a. Es gibt keinen Grund, dies erst am Jahresende zu tun, obschon die Banken immer nur Ende Jahr diese Sparmöglichkeit in Erinnerung rufen. Wer einer Pensionskasse angeschlossen ist, kann pro Jahr bis maximal 6682 Franken auf dieses Konto überweisen und vom steuerbaren Einkommen abziehen. Ohne Pensionskasse können bis 20 Prozent des Erwerbseinkommens aufs Konto 3a überwiesen werden, maximal 33 408 Franken. Man achte auf den Zins. Den höchsten Zins auf dem Konto 3a zahlt derzeit die Credit Suisse.

 

3. Falls beim Konto 3a der Kontostand 30 000 Franken übersteigt, empfiehlt es sich, bei einer anderen Bank ein weiteres 3a-Konto zu eröffnen. Sind mehrere 3a-Konti vorhanden, kann man das Geld nach der Pensionierung gestaffelt beziehen und zahlt damit wegen der Progression insgesamt weniger Steuern.

 

4. Die Banken sehen es gerne, wenn man mit dem Geld auf dem Konto 3a Anlagefonds kauft. Es handelt sich hier um spezielle Vorsorgefonds, die strengen Anlagevorschriften unterliegen. Sicherer ist aber, das 3a-Kapital nicht in solchen Vorsorgefonds anzulegen. Solche Fonds setzen sich zu 50 bis 95 Prozent aus Obligationen zusammen. Sobald die Zinsen steigen, fallen die Kurse für Obligationen.

 

5. Lassen Sie bei vorübergehender Aufgabe der Erwerbstätigkeit das Freizügigkeitsguthaben auf zwei Konti überweisen, wie das der Gesetzgeber ausdrücklich erlaubt. Man kann dann vor der Pensionierung die Gelder gestaffelt beziehen und so die Steuerprogression brechen. Hat man nur ein Konto, kann das Geld nicht gestaffelt bezogen werden.

 

6. Überweisen Sie einen Teil der Ersparnisse in die Pensionskasse, sofern noch Einkaufslücken bestehen. Pensionskassen unterliegen konservativen Anlagevorschriften und sind über den Sicherheitsfonds abgesichert. Dieser stellt die gesetzlichen Leistungen von zahlungsunfähig gewordenen Vorsorgeeinrichtungen sicher. Hinzu kommt, dass man den in die Pensionskasse einbezahlten Betrag vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen kann. Dies ist ein positiver Nebeneffekt.

 

7. Investieren Sie in einen Fondssparplan. Mit einem Dauerauftrag können Sie monatlich oder quartalsweise zum Beispiel 300 Franken in einen von Ihnen ausgewählten Anlagefonds investieren. Ein Anlagefonds ist ein Korb unterschiedlichster Wertschriften. Schuldner ist nicht die herausgebende Bank, sondern all die Herausgeber der im Fonds befindlichen Wertschriften. Damit wird das Risi-ko auf eine Vielzahl unterschiedlichster Schuldner verteilt. Mit Fondssparplänen wird das Ersparte sukzessive, also nicht auf einen Schlag, investiert. Man meidet somit das Risiko, vor einem grossen Kurssturz das ganze Geld investiert zu haben. Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bei Fondssparplänen bietet derzeit Postfinance.

 

8. Lassen Sie die Hände von all den komplizierten strukturierten und derivativen Kapitalschutzprodukten. Schuldner ist hier die herausgebende Bank oder ein dahinterstehendes Finanzhaus – früher zum Beispiel die konkursite Lehman Brothers.

 

Erschienen in der BZ am 10. Januar 2012

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Claude Chatelain