Auch Liechti verlässt die KPT

Bernhard Liechti
Bernhard Liechti

Zwei Wochen nach KPT-Präsident Walter Bosch wirft nun auch sein Vize Bernhard Liechti das Handtuch. Beobachter begrüssen diesen Schritt.

 

 

Vizepräsident Bernhard Liechti tritt per sofort zurück und verbreitete via seinen Anwalt folgende Mitteilung: «Komplexe Führungsstrukturen und unterschiedliche Ansichten über strategische Themen haben in jüngster Zeit zu Spannungen innerhalb des Verwaltungsrates geführt, welche auch das Verhältnis zur Geschäftsleitung belasteten. Bernhard Liechti tritt von seinen Exekutivämtern zurück, weil er einzelne Entscheide des Verwaltungsrates der KPT-Gruppe nicht mittragen kann.»

Dies ist freilich nicht die offizielle Verlautbarung, denn die KPT schreibt nichts von strategischen Unstimmigkeiten und hält sich in ihrer Mitteilung nur kurz; kürzer gehts kaum mehr: «Der Verwaltungsrat der KPT dankt Bernhard Liechti für seinen Einsatz in der KPT-Versicherungsgruppe und wünscht ihm alles Gute auf seinem weiteren Weg», so die offizielle Version. Die guten Wünsche für seinen weiteren Weg kann Liechti gut gebrauchen. Noch immer läuft ein Verfahren der Finanzmarktaufsicht (Finma) gegen ihn. Dieses wird trotz des Rücktritts von Liechti nicht eingestellt, bestätigt Finma-Sprecher Tobias Lux. «Wir haben vom Rücktritt Kenntnis genommen, doch das Verfahren läuft weiter.» Wie der Anwalt von Bernhard Liechti versichert, stehe der Rücktritt mit den Abklärungen der Finma in keinem Zusammenhang. Sein Mandant sei «zuversichtlich in Bezug auf den Ausgang des Finma-Verfahrens».

 

Vor über einem Jahr hat die Finma gegen VR-Präsident Walter Bosch, VR-Vize Bernhard Liechti und CEO Christoph Bangerter ein aufsichtsrechtliches Verfahren eingeleitet. Sie sind im Zusammenhang mit der geplanten Fusion mit der Sanitas und einem umstrittenen Aktienrückkaufsprogramm in die Kritik geraten. Die Verantwortlichen gaben Mitarbeitern und sich selber Aktien für 40 Franken heraus und wollten diese durch die KPT für 600 Franken zurückkaufen. Durch diesen wundersamen Geldsegen hätten sich Verwaltungsräte und Geschäftsleitungsmitglieder auf Kosten der Prämienzahler zu Millionären gemacht.

 

Was ist mit Bangerter?

 

Noch offen ist, wie es mit Christoph Bangerter, dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung, weitergeht, der ebenfalls ins Visier der Finma geraten ist. Beobachter gehen davon aus, dass er nicht die gleiche Verantwortung trägt wie Bosch und Liechti, da er nicht Mitglied des Verwaltungsrates ist. Ebenfalls offen ist, wieweit auch andere Verwaltungsräte die Konsequenzen ziehen, die das umstrittene Aktienmitarbeiterprogramm nach dem Motto «Mitgehangen, mitgefangen» ebenso zu verantworten haben. Es sind dies Sandra von May-Granelli, Direktorin der Privatschule Feusi, der frühere Suva-Manager Willi Morger sowie SVP-Nationalrat und Eishockeyfachmann Simon Schenk.

 

Locher: «Gut für die KPT»

 

«Der Rücktritt von Bernhard Liechti ist gut für die KPT und für die Krankenversicherungsbranche. Mit der Bereinigung der Altlasten ist die strategische Handlungsunfähigkeit der KPT beendet, und der Krankenversicherer kann sich für die Zukunft rüsten», erklärt Gesundheitsökonom Heinz Locher, der den neuen Krankenkassenverband Allianz Schweizer Krankenversicherer präsidiert. Der Nachfolger von KPT-Präsident Walter Bosch ist mit dem 61-jährigen, früheren Galenica-Manager René Jenny bereits designiert. Für die Nachfolge von Liechti wird der Verwaltungsrat der KPT laut eigenen Angaben «umgehend die nötigen Schritte einleiten».

 

 

KOMMENTAR

Mit dem Rücktritt von Verwaltungsratspräsident Walter Bosch und seinem Vize Bernhard Liechti kann die KPT endlich wieder vorwärtsschauen. Die ehedem so stolze und seriöse Beamtenkasse war über ein Jahr strategisch handlungsunfähig, ihr Verwaltungsrat unglaubwürdig.

 

Die Fakten sind schon lange klar: Die Verantwortlichen hätten über eine Million Franken an Prämiengeldern in den eigenen Sack gewirtschaftet, wäre ihr Plan aufgegangen. Sie wollten die Aktien eines Aktienmitarbeiterprogramms zu 600 Franken zurückkaufen lassen, für welche sie nur 40 Franken bezahlt hatten. Zumindest bei Bernhard Liechti ist erwiesen, dass er noch Aktien kaufte, als er bereits von den Fusionsverhandlungen mit der Sanitas Kenntnis hatte. Dies geht aus einem Mail seines Anwalts hervor. Die Finma hat dieses Treiben untersagt und gegen Bosch, Liechti und CEO Christoph Bangerter vor über einem Jahr ein Verfahren eingeleitet. Noch immer ist das Verfahren nicht abgeschlossen.

Es ist für alle Beteiligten höchst unangenehm, dass sich ein solches Verfahren über ein Jahr hinzieht. Vor allem ist es von aussen be trachtet nicht nachvollziehbar, weshalb eine solche Untersuchung derart lange dauern soll.

 

Man kann nun darüber spekulieren, ob Bernhard Liechti mit seinem vorzeitigen Rücktritt bloss dem Finma-Entscheid zuvorkommen wollte oder ob er tatsächlich mit dem designierten Verwaltungsratspräsidenten René Jenny über die Strategie uneins war, wie das sein Anwalt sagt.

 

Wie auch immer – und unabhängig davon, wie der Entscheid der Finma ausfallen wird: Die KPT-Verantwortlichen haben sich diskreditiert. Ihr Ruf ist ramponiert. Solche Leute sind für eine Sozialversicherung schlicht nicht tragbar. Walter Bosch und Bernhard Liechti hätten sich und vor allem auch der Krankenkasse KPT einen Dienst erwiesen, wenn sie nicht erst heute, sondern schon vor einem Jahr die Konsequenzen gezogen hätten.

 

Erschienen in der BZ am 4. Januar 2012


Claude Chatelain