Oberländer Bergbahnen auf Talfahrt

Luftseilbahn Wengen-Männlichen.
Luftseilbahn Wengen-Männlichen.

Die auffallendsten Kursbewegungen der nichtkotierten Berner Aktien verzeichneten im abgelaufenen Jahr die Bergbahnen. Ihre Kurse zeigten talwärts.

 

Vor zwei Jahren waren die Gewinner unter den nichtkotierten Berner Aktien einer klar definierten Branche zuzuordnen: den Wintersportbahnen. Die Aktien der Luftseilbahn Wengen– Männlichen, der Bergbahnen Adelboden sowie der Bergbahnen Gstaad legten alle im Jahr 2009 um über 50 Prozent zu. Sie blickten damals auf einen «hervorragenden Winter zurück. Einige von ihnen erzielten Rekordergebnisse», konstatierte die Berner Kantonalbank (Ausgabe vom 31. Dezember 2009).

Talbahnen statt Bergbahnen

 

Im abgelaufenen Jahr 2011 ist es gerade umgekehrt: Die Bergbahnen figurieren am Schluss der Rangliste. Ihre Aktien fuhren nicht bergwärts, sondern talwärts. Man ist geneigt, die Bergbahnen in Talbahnen umzutaufen. Was ist der Grund? Ist es der Schnee, der verdächtig lange auf sich warten liess? Ist es der schwache Euro, der Winterferien in Österreich, Frankreich oder im Südtirol angeblich attraktiver macht? Oder sind es die trüben Konjunkturaussichten, die den Feriengast davon abhalten, in die Winterferien zu fahren?

Peter Feuz, Schilthornbahn.
Peter Feuz, Schilthornbahn.

«Das Gejammer der Touristiker schadet der Branche», findet Schilthornbahn-Direktor Peter Feuz. Die Schilthornbahn blicke auf einen Rekordsommer zurück — starker Franken hin oder her. Zudem stimme es gar nicht, dass die Hotels in der Schweiz teurer seien als in den anderen Alpenländern. Das zeigten neutrale Vergleiche. Vergleichbare Unterkünfte in Vorarlberg oder Tirol seien trotz dem starken Franken nicht günstiger als in der Schweiz.

 

Nach Angaben von Peter Feuz wird heute noch kurzfristiger gebucht als bisher: «Am 23. Dezember hatte es in Mürren für die Altjahrswoche noch Platz. Doch dann war die ganze Woche ausgebucht». Kaum legte sich die weisse Pracht aufs Dorf, kamen auch die Buchungen. Das Fazit laut Peter Feuz: «Der Aktienkursrückgang der Bergbahnen ist nicht gerechtfertigt. Die Ergebnisse werden es zeigen.» Diese Einschätzung teilt der auf nichtkotierte Aktien spezialisierte Fritz Ruprecht. «Die Saison ist gut angelaufen. Die Bergbahnaktien haben Fantasie», sagt der Inhaber der Firma Helveticstar in Bolligen. Die Kurse der Bergbahnen seien wegen der schlechten Stimmung in die Tiefe gerissen worden. Wer in den Tourismus investiere, kaufe Bergbahnaktien, denn Hotellerieaktien seien eher selten.

 

Schilthorn: Gutes Zeugnis

 

Insbesondere der Schilthornbahn stellt Ruprecht ein gutes Zeugnis aus: «Die Bahn ist dank der dicken Eigenkapitalbasis gut finanziert.» Ausserdem zeichnet sich die Schilthornbahn über eine hohe Stabilität aus: Sie zahlt seit über 20 Jahren eine unveränderte Dividende von 36 Franken, was gemäss dem heutigen Geldkurs einer Rendite von 3,1 Prozent entspricht. Zudem feiert die Schilthornbahn mit dem von Hollywood berühmt gemachten Piz Gloria im kommenden Jahr ihr 50-Jahr-Jubiläum, sodass die Aktionäre mit einem Zückerchen rechnen dürften.

Silleren-Bahn, Adelboden.
Silleren-Bahn, Adelboden.

Auch die anderen Bergbahnen werden laut Einschätzung von Fritz Ruprecht unter ihrem Wert geschlagen. «Die Luftseilbahn Wengen–Männlichen ist sehr profitabel.» Zahlt sie weiterhin eine Dividende von 5 Franken, so ergibt das beim heutigen Geldkurs eine Rendite von 4,3 Prozent – allfällige Freifahrten kommen als Naturaldividende noch hinzu.

 

Adelboden: Ohne Dividende

 

Die Bergbahnen Adelboden sind gemäss Ruprecht ebenfalls gut finanziert und profitabel. Freilich sind diese Dividendenpapiere für den Aktionär weniger interessant. «Die Bergbahnen Adelboden haben seit ihrem Bestehen noch nie eine Dividende ausgerichtet. Stattdessen profitiert der Aktionär jährlich von zwei Aktionärstagen, die unabhängig von der Anzahl Aktien genutzt werden können», erklärt Ruprecht. Die Verantwortlichen ziehen es offensichtlich vor, die Gewinne zu reinvestieren.

 

Unterbewertet ist nach Einschätzung von Fritz Ruprecht die Dampfromantik versprühende Brienz-Rothorn-Bahn, freilich nur gemessen an der Substanz. Betrachtet man die Rendite, so sei diese Aktie uninteressant.

 

Bemerkenswert ist ferner der Umstand, dass sowohl die Niesen- wie die Harderbahn, die beide nur im Sommer in Betrieb sind, keine Kursrückgänge zu verzeichnen haben. Doch die Umsätze dieser Aktien sind noch geringer als bei den genannten Bergbahnpapieren. Es handelt sich hier um ausgesprochene Liebhaberwerte. Nur gerade zwölfmal wurden 2011 an der OTC-X, der Handelsplattform der Berner Kantonalbank, Harderbahnaktien gehandelt. 70 Prozent des Aktienkapitals befinden sich im Besitz der Jungfraubahn-Holding.

 

Der Vollständigkeit halber seien an dieser Stelle auch die Bergbahnen Meiringen-Hasliberg genannt. Vor Jahresfrist wurden für dieses Papier noch 18 Franken geboten. Heute will keiner mehr als 5 Franken dafür bezahlen. Die Firma befindet sich in Nachlassstundung.

 

 

 

Nichtkotierte Aktien

 

Wir publizieren am Ende eines Quartals die Kursentwicklung ausgewählter nichtkotierter Berner Aktien. Die Rangliste hat teilweise Zufallscharakter, denn nicht alle Aktien werden regelmässig gehandelt. Eine einzige grössere Transaktion kann hohe Kursschwankungen hervorrufen.

 

Weil bei einigen Aktien die letzte Handänderung mehrere Wochen zurückliegt, wird hier nicht auf den zuletzt bezahlten Kurs, sondern auf den gestellten Geldkurs abgestellt.

 

Die nichtkotierten Aktien können über die OTC-X, die Handelsplattform der Berner Kantonalbank, gekauft und verkauft werden.

 

 

 

Kotierte Aktien

 

Unter den kotierten Berner Werten blicken insbesondere zwei Vorzeigeunternehmen auf ein rabenschwarzes Börsenjahr zurück. Nach dem ersten Quartal verzeichneten die Aktien des Thuner Solarunternehmens Meyer Burger noch eine Avance von über 40 Prozent, nur um jetzt das Jahr mit einem Minus von knapp 50 Prozent abzuschliessen. Der Grund ist ein hoher Abschreiber wegen eines schlechten Geschäftsgangs der deutschen Tochter Roth & Rau.

 

Noch härter ins Gericht ging die Börse mit Adval Tech. Beim Industrieunternehmen aus Niederwangen schlagen die Verwerfungen an den Devisenmärkten negativ zu Buche. Im ersten Semester 2011 blieb das Unternehmen in der Verlustzone.

 

Erschienen in der BZ am 3. Januar 2012


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Claude Chatelain