Pharma gewinnt; Finanz verliert

Die Finanztitel sind die grossen Verlierer an der Schweizer Börse. Die Pharmawerte konnten sich knapp halten. Und dann gabs noch einige Sonderfälle.

Zwei Schwerpunktthemen prägen den Aktienmarkt in der Schweiz: Pharma und Finanzen. Die beiden Gruppen zeigen im abgelaufenen Börsenjahr eine konträre Entwicklung: Die Pharmavaloren sind die Gewinner, die Finanzwerte sind die grossen Verlierer.

 

Wie immer in unsicheren Zeiten flüchten die Anleger in defensive Werte. Als defensiv kann man «relativ sichere» oder «weniger unsichere» Werte bezeichnen. Typische Vertreter dieser Gattung sind die Pharma- oder die Nahrungsmittelindustrie. Sie stellen Produkte her, die in jeder Konjunkturlage gefragt sind und somit einen sicheren Absatz garantieren. Wenig überraschend wird daher das Kurstableau der grosskapitalisierten Werte von Vertretern der Gesundheitsindustrie angeführt. Die Börsenkapitalisierung eines Unternehmens errechnet sich aus dem Kurswert und der Anzahl der an der Börse gehandelten Aktien. Die zwanzig Firmen mit der grössten Kapitalisierung werden im Swiss Market Index (SMI) erfasst.

 

Synthes – wer denn sonst?

 

Angeführt wird die Rangliste des SMI von Synthes. Dies ist freilich nicht auf die defensive Branche der Medizinaltechnik, sondern auf einen Sondereffekt zurückzuführen. Der amerikanische Multi Johnson & Johnson kauft den Schweizer Orthopädiekonzern für rund 20 Milliarden Franken, 20 Prozent über dem Börsenwert von Mitte April, als die Kaufabsichten ruchbar wurden. Auf keinen Sonderfaktor zurückzuführen ist hingegen der steile Kursanstieg von Roche: «Praktisch jedes Forschungsresultat ist positiv», erklärt Ueli Stähli von der Bank EKI in Interlaken. Das pure Gegenteil ist bei Actelion der Fall. Das Biotechunternehmen fällt mit einem bösen Kurstaucher von 37 Prozent aus dem Rahmen. Hier sind eben gerade keine positiven Forschungsresultate zu verzeichnen. «Nichts zählt bei Biotechfirmen so sehr wie das Marktpotenzial künftig zugelassener Medikamente», weiss Simon Wyss, Leiter Asset Management bei der Privatbank von Graffenried in Bern.

 

Kein Bock auf Öl(-Aktien)

 

Dass die Ölaktien von Transocean das Schlusslicht markieren, vermag indessen kaum zu erstaunen. Transocean ist jener Bohrkonzern, der mit der Ölplattform Deepwater Horizon das Umweltdesaster im Golf von Mexiko zu verantworten hat. Steht einer Firma eine Schadenersatzklage von 40 Milliarden Dollar ins Haus, sind deren Aktien kaum mehr gefragt. Transocean figuriert im SMI, weil der Hauptsitz in der Schweiz liegt. Dies irritiert, gehört doch das Ölbusiness nicht unbedingt zur Kernkompetenz der Schweiz.

 

Banken sind eine Blackbox

 

Geschmäht wurden im ablaufenden Jahr ebenfalls die Finanztitel, trotz zum Teil sehr hoher Dividendenrenditen wie etwa bei der Zürich. Die Geldhäuser haben schlicht das Vertrauen verloren. «Wie bei einer Blackbox lässt sich von aussen kaum abschätzen, was im Inneren der Banken vor sich geht», warnt der amerikanische Anlagestratege Ed Yardeni in einem Interview mit der «Finanz und Wirtschaft».

 

Neben Pharma- und Finanzwerten weist der SMI auch noch einige «Zykliker» auf, wie ABB oder Holcim. Sie folgen mehr oder weniger dem Konjunkturzyklus. Und da die Auguren diesbezüglich ernüchternde Signale aussenden, sind Kursverluste auch keine Überraschung. Schon eher überraschend hingegen der herbe Kursverlust von Swatch, befindet sich doch der Uhrenkonzern auf Rekordkurs. Toni Knecht von der SB Saanen-Bank: «Für mich ist der Kursrückgang unverständlich, nicht nachvollziehbar.»

 

Erschienen in der BZ am 31. Dezember 2011

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Claude Chatelain