Ausländer bei Schweizer Banken unerwünscht

Ausländischer Bankkunde? Nein danke. Es sei denn, der Ausländer kann einen guten Grund angeben, weshalb er in der Schweiz ein Konto eröffnen will.

«Amerikaner unerwünscht». So steht es zwar nicht am Eingang von Schweizer Banken. Und doch entspricht es der Wahrheit. Doch nicht nur amerikanische Staatsbürger, auch Schweizer, die vorübergehend ihren Wohnsitz in die USA verlegen, müssen ihre Bankverbindung in der Schweiz auflösen. Das hat sich inzwischen herumgesprochen. Deshalb werden sich Auswanderer hüten, ihrer Hausbank die neue Adresse in den USA anzugeben. Sie geben die Anschrift ihrer Eltern oder anderer Verwandter in der Schweiz an. So brauchen sie das Konto nicht zu liquidieren.

Diese «Apartheidpolitik» ist die schweizerische Antwort auf das Bestreben der amerikanischen Behörden, ihre Gesetze weltweit anzuwenden. Wer nicht spurt, hat mit Sanktionen zu rechnen. Die Finanzmarktaufsicht (Finma) spricht in diesem Zusammenhang von «Reputationsrisiken im grenzüberschreitenden Finanzdienstleistungsgeschäft».

 

«Personae non gratae»

Amerikaner waren die ersten «Personae non gratae». Inzwischen bekunden auch andere Ausländer Mühe, in der Schweiz ein Konto zu eröffnen. «Ausländer mit einer Niederlassungsbewilligung sind bei uns willkommen», erklärt Daniel Pfanner, Direktor der Bank EEK. Ohne Niederlassungsausweis muss der Ausländer einen plausiblen Grund angeben können, weshalb er das Konto eröffnen will. Die Saanen Bank eröffnet nur jenen Ausländern ein Konto, die entweder in der Schweiz steuerpflichtig sind, zum Beispiel als Wohneigentümer, oder regelmässig im Saanenland ihre Ferien verbringen, bestätigt Toni Knecht, Vizedirektor der Saanen Bank. Die Berner Kantonalbank (BEKB) nennt ihre Strategie «Swiss-Person-Konzept». Laut Sprecher Hans-Peter Merz «stehen unsere Dienstleistungen allen Kunden mit direktem Bezug zu unserem Wirtschaftsraum offen, also Schweizern, Doppelbürgern und ausländischen Kunden, die in der Schweiz regelmässig persönliche Kontakte zu uns pflegen».

 

Im Visier der US-Behörde

 

Nachdem die UBS im Frühjahr 2008 ins Visier der amerikanischen Steuerbehörde geraten war, bot die Schweizer Grossbank den Amerikanern an, auf das Offshoregeschäft mit amerikanischen Kundinnen und Kunden zu verzichten. Von offshore spricht der Bankenexperte dann, wenn ein Kunde ausserhalb seines Heimatlandes betreut wird. Es war das Offshoregeschäft, welches in der Vergangenheit das Swiss Banking weltweit berühmt gemacht hatte. Eigentlich betreut die UBS weiterhin US-Kunden auf Schweizer Boden. Die entsprechende Gesellschaft ist eine 100-prozentige Tochter von UBS und heisst «Swiss Financial Advisors». Sie ist bei der amerikanischen Securities and Exchange Commission (SEC) als Investment Adviser registriert und erfüllt damit nicht nur die schweizerischen, sondern auch die amerikanischen Vorschriften. Das heisst, dass gewisse Daten trotz Bankgeheimnis auch an US-Behörden übermittelt werden.

 

CS schliesst «Private Advisor»

 

Auch die Credit Suisse hatte eine solche Einheit, genannt «Credit Suisse Private Adviser». Von der Öffentlichkeit kaum bemerkt, hat die CS diese Einheit kürzlich geschlossen. Das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag stimmte nicht mehr. In Zukunft werden diese Kunden nicht mehr offshore, sondern nur noch in den Vereinigten Staaten betreut. All das ist nur der Anfang: 2013 oder 2014 tritt in den USA der «Foreign Account Tax Compliance Act» in Kraft, bekannt unter dem Kürzel Facta. Das wird den Formularkrieg zwischen Bank und Kunde zusätzlich anheizen. Danach müssen die Schweizer Banken die Vermögenswerte aller «US Persons» der amerikanischen Steuerbehörden übermitteln. «US Persons» sind Leute, die in den USA steuerpflichtig sind, also auch schweizerisch-amerikanische Doppelbürger sowie Greencard-Besitzer. Die USA sind das einzige Land, das seine Bürger rund um den Globus besteuert. Das war schon immer so, nur wurde das bisher nicht konsequent durchgesetzt. Mit der Jagd auf Doppelbürger und Greencard-Besitzer erhofft sich das hoffnungslos überschuldete Amerika zusätzliche Einnahmen von jährlich 800 Millionen Dollar. Vorbei die Zeiten, in welchen sich manch einer glücklich schätzte, einen US-Pass oder eine Greencard zu besitzen.

 

Erschienen in der BZ am 19. Dezember 2011

Claude Chatelain