Das sagen Amerikaner über die Schweiz

Urs Kessler in New York.
Urs Kessler in New York.

Grosser Bahnhof für die Jungfraubahnen in New York. Und was Reisejournalisten über den teuren Franken denken. 70 amerikanische Reisejournalisten erwiesen CEO Urs Kessler beziehungsweise «seiner» Bahn am Dienstagabend die Ehre. «Switzerland Holiday Extravaganza» nennt sich der Anlass, den Alex Herrmann von Switzerland Tourism alle Jahre Ende November durchführt.

 

In den vergangenen Jahren waren die Deluxe Hotels, Zürich samt Flughafen, Engadin St. Moritz sowie Lac Léman-Matterhorn Gastregionen des grössten Medienanlasses von Schweiz Tourismus in New York. Vorgestern war eben die Jungfraubahn an der Reihe, auch wegen des 100-Jahr-Jubiläums vom kommenden Jahr. Stilgerecht in der Uniform des Stationsvorstandes aus dem Eröffnungsjahr 1912 trug Kessler den wohlgesinnten Journalisten die geplanten Jubiläumsaktionen vor. Einer Uniform notabene, die schon um die ganze Welt gereist ist.

 

Was denken die amerikanischen Reisejournalisten so über die Schweiz? Sie sind des Lobes voll. «Beauty», sagt Hyla A. Bauer ganz spontan. Die Redaktorin von Condé Nast Traveler verbindet die Schweiz mit Schönheit. Sie geht alle Jahre an die Uhrenmesse in Basel, weil sie für ihr Magazin nicht nur Reisen, sondern auch Mode abdeckt. Laura Manske, die als Freelance für Frauenzeitschriften arbeitet, konnte es kaum fassen, dass sie bis vor wenigen Wochen noch nie von der Jungfrau gehört hatte. Sie kam eben von einer zehntägigen Bahnreise durch die Schweiz zurück, die sie in Genf in Angriff genommen hatte. Sie besuchte unter anderem Montreux, Gstaad, Luzern, nicht aber Bern. Doch: «Das Highlight war der Trip aufs Jungfraujoch», diktiert die Reisejournalistin in den Notizblock.

 

Von einer teuren Schweiz wollen die Journalisten nichts wissen. «Wer sich eine Reise nach Europa leisten kann, schaut nicht in erster Linie auf den Preis», sagt James Ruggia von Performance Media, einer Fachpublikation für die Reisebranche. Der Amerikaner wolle nur nicht übers Ohr gehauen werden. «Not to be screwed up», wie er es genau sagte. Erhalte der Ami für den Preis einen entsprechenden Gegenwert, so interessiere ihn der Wechselkurs wenig, so Ruggia weiter.

 

Mit einem Anteil von 6 Prozent gehören die Amerikaner nicht zur wichtigsten Zielgruppe der Jungfraubahnen. Es waren aber auch schon über 10 Prozent. Das war zu jener Zeit, als die Amerikaner vorab in Gruppen reisten. «Wenn heute Dienstag ist, so muss das Brüssel sein», pflegte man das Reiseverhalten der Amerikaner in Anlehnung an den gleichnamigen Film zu beschreiben. Der Film entstand in den Fünfzigerjahren, als Uncle Sam in wenigen Tagen ganz Europa bereiste. «Diese Zeiten sind vorbei», erklärt James Shillinglaw vom Fachmagazin «Travalliance». Wenn schon die Schweiz, dann solle man nur die Schweiz bereisen, empfiehlt er in seinen Artikeln. Das Land sei derart abwechslungsreich, dass es keinen Grund gebe, in den gleichen Ferien auch noch andere Länder zu besuchen.

 

Das grösste Highlight, das James Ruggia im Jahr 1988 erlebte, werden dem amerikanischen Touristen weder Alex Herrmann noch Urs Kessler bieten können. Es war nicht die Fahrt aufs Jungfraujoch, wie Ruggia beim Dinner erzählte. Es war jene Nacht im Berner Schweizerhof, in welcher er beobachten durfte, wie der saudiarabische Waffenhändler Adnan Khashoggi verhaftet wurde. «Für mich als überzeugten Demokraten war das das schönste und eindrücklichste Erlebnis meiner Reise durch die Schweiz.»

 

Erschienen in der BZ am 1. Dezember 2011

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Claude Chatelain