So verändert das Internet die Autoversicherung

Versichert oder nicht?
Versichert oder nicht?

Das Internet hat die Angebote der Motorfahrzeugversicherer stark verändert. Die Versicherungsprodukte kommen einfach und standardisiert daher, auch wenn sie in vielen Fällen nicht via Internet, sondern beim Versicherungsberater abgeschlossen werden.

 

Die Angebote der Autoversicherer haben in den vergangenen Jahren einen ziemlichen Wandel vollzogen. Die Versicherungsdeckung blieb zwar mehr oder weniger unverändert — verändert hat sich jedoch die Verpackung. Dies vor allem als Folge des Internets. So sind die meisten Versicherer bestrebt, möglichst einfache Produkte zu kreieren, sodass man via Internet mit wenigen Klicks zur Offerte kommt und gleich den Preis abfragen kann.

Konfektion oder Massanzug?

 

Auf dem Markt der Motorfahrzeugversicherungen kann man grob gesagt zwei unterschiedliche Angebotstypen beobachten: Standardangebote mit beschränkten Wahlmöglichkeiten und Baukastensysteme mit schier unendlichen Kombinationen. Helvetia beispielsweise setzt auf das Baukastensystem: Man kann den Versicherungsschutz nach eigenen Wünschen zusammenstellen und erhält laut offizieller Lesart «den Versicherungsschutz, der sich punkto Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Transparenz» nach den persönlichen Bedürfnissen richtet.

Marcel Siegrist: «Wir verspüren seit Mitte Jahr eine deutliche Zunahme von Abschlüssen in der Motorfahrzeugversicherung.»
Marcel Siegrist: «Wir verspüren seit Mitte Jahr eine deutliche Zunahme von Abschlüssen in der Motorfahrzeugversicherung.»

Marktleader Axa Winterthur setzt dagegen vermehrt auf Standardangebote und scheint damit Erfolg zu haben. «Wir verspüren seit Mitte Jahr eine deutliche Zunahme von Abschlüssen in der Motorfahrzeug-versicherung», erklärt Marcel Siegrist, Leiter Produkte Privatkunden. Er führt dies auf das neue 3-Stufen-Angebot zurück, das am 1. Juli 2011 eingeführt wurde: Basic, Compact und Optima. «Der Unterschied zwischen dem früheren Standard- und dem Optimaprodukt war zu gross, deshalb haben wir ein drittes Angebot kreiert», bemerkt Marcel Sigrist. Das Strada Basic bietet neben der Haftpflicht die wichtigsten Deckungen einer Teilkaskoversicherung wie Diebstahl oder Elementarschäden an. Das Strada Compact versichert zusätzlich unter anderem den Pannendienst, mitgeführte Sachen bis 2000 Franken und entschädigt den Neuwert des Fahrzeugs im ersten Jahr zu 100 Prozent. Beim Strada Optima, dem umfangreichsten und zugleich teuersten Angebot, ist zusätzlich auch der Nutzungsausfall mitversichert.

 

Der Ropo-Kunde

 

Auch die Berner Mobiliar-Versicherung, die Nummer vier bei den Motorfahrzeugversicherungen, setzt auf Standardangebote – eben wegen des Internets. «40 bis 60 Prozent der Kunden surfen zuerst im Internet; doch nur ein kleiner Teil davon schliesst den Vertrag auch online ab», weiss Thomas Trachsler, der Leiter Markt Management. In der Fachsprache heisst das Ropo: Research online, purchase offline.

 

Das bedeutet, dass Kundinnen und Kunden im Internet zuerst die Preise vergleichen und dann beim Versicherungsberater den Vertrag abschliessen. Dort können sie sich weiter beraten lassen und allfällige Zusatzdeckungen mitversichern. Denn ob via Internet oder beim Aussendienstmitarbeiter: Produkte und Preise sind bei der Mobiliar identisch. Das Gleiche gilt bei der Axa Winterthur.

 

Ein Versicherer, zwei Prämien

 

Das ist nicht bei allen Versicherern der Fall: Bei der Baloise ist das Online-Angebot in seiner Vielfalt eingeschränkt. Es ist nur für einfache, eben standardisierte Fälle gedacht. Und die Prämien sind generell tiefer, als wenn die Versicherung beim Aussendienstmitarbeiter abgeschlossen wird. Wenn man ein Problem oder eine Frage hat oder einen zusätzlichen Baustein einbauen möchte, so muss man dies via «baloisedirect.ch» erledigen. Noch weiter geht die Zürich, ein Pionier im Direktverkauf: Sie hat mit Zürich-Connect eine separate Organisation mit einer eigenen Marke aufgebaut.

 

Anders bei Axa Winterthur und Mobiliar: Hier sind der Onlinevertrieb nichts anderes als ein separater Vertriebskanal. «Wer die Motorfahrzeugversicherung online abschliesst, wird bei der Generalagentur registriert, die für das entsprechende Marktgebiet zuständig ist», sagt Marcel Sigrist von der Axa Winterthur. Das Gleiche gilt für die Mobiliar, wobei hier nicht nur der Kundendienst, sondern auch der Schadensdienst bei der Generalagentur angesiedelt ist.



INFOTHEK

Diese Schäden sind Sache einer Kaskoversicherung:

 

Feuer- und Elementarereignisse: Diese Deckung wird nur selten beansprucht. Und doch ist sie wegen des hohen Schadenpotenzials zu empfehlen.

 

Diebstahl: Pro Jahr werden in der Schweiz um die 10 000 Motorfahrzeuge gestohlen.

 

Diebstahl von Reiseeffekten: Vier von fünf Schweizern haben bei der Hausratversicherung den einfachen Diebstahl auswärts mitversichert. Das gilt auch für die im Auto mitgeführten Waren.

Marderschäden: Die putzigen Vierbeiner gehören zu den Lieblingstieren der Garagisten. Sie richten Jahr für Jahr Schäden von über 30 Millionen Franken an.

 

Glasbruch: Kaputte Frontscheiben sind der am häufigsten auftretende Schaden, der von den Teilkasko-Versicherern zu vergüten ist

 

Erweiterte Glasschäden: Versichert zusätzlich auch Scheinwerfer und Rückstrahler.

Tierschäden: Auf den Schweizer Strassen wird jede Stunde ein Reh überfahren. Unfälle mit Tieren müssen von der Polizei oder vom Wildhüter protokolliert und bestätigt werden.

 

Vandalismus: Versichert ist das mutwillige Abbrechen von Antennen, Rückspiegeln, Scheibenwischern und Ziervorrichtungen 

sowie das Zerstechen der Reifen und das Hineinschütten von schädigenden Stoffen in den Treibstofftank. Die Aufzählung ist abschliessend.

 

Parkschäden: Ein Parkschaden ist nur dann ein Parkschaden, wenn der Schaden am eigenen parkierten Auto durch einen Dritten verursacht wurde.

 

Bonusschutz: Die Prämie wird auch nach einem selbstverschuldeten Unfall nicht erhöht.

 

Kollision: Schäden, die durch den Autolenker am eigenen Fahrzeug unabsichtlich verursacht werden. Im Volksmund Vollkasko genannt.

 

Erschienen in der BZ am 22. November 2011


Claude Chatelain