Die neue UBS-Strategie ist ein Triumpf der Politik

Das tönt doch ganz vernünftig: eine weniger komplexe Investmentbank, deren Kapital von 300 Milliarden auf 145 Milliarden Franken halbiert wird; und eine explizite Konzentration auf das Vermögensverwaltungsgeschäft. Mehr, zum Beispiel eine vollständige Abspaltung des risikoträchtigen Investmentbankings, konnte realistischerweise nicht erwartet werden.

 

Man darf sich freilich nicht der Illusion hingeben, die Grossbank UBS zähme das Investmentbanking aus freien Stücken. Auch der 31-jährige Kweku Adoboli, der in London rund 2 Milliarden Dollar verzockte, hat kaum zum Umdenken beigetragen. Hauptgründe für die Rückbesinnung auf die eigenen Stärken sind vielmehr die neuen internationalen Vorschriften unter dem Regelwerk «Basel III» und ebenfalls die strengeren Eigenkapitalvorschriften in der Schweiz.

 

Im Frühling sagte der Solothurner CVP-Nationalrat Pirmin Bischof in einem Interview mit dieser Zeitung: «Die ‹Too big to fail›-Vorlage wird für spekulative Geschäfte zu massiven Mehrkosten führen (...) Da werden sich die Banken unweigerlich die Frage stellen, ob der Verzicht oder eine Auslagerung aus Kostengründen nicht sinnvoll wäre.» Der Bankenspezialist Pirmin Bischof sollte recht behalten. So gesehen ist die neue Strategie der UBS auch ein Triumph der Politik und nicht zuletzt auch von Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf, die die ehrgeizige «Too big to fail»-Vorlage trotz Widerstand der Grossbanken äusserst speditiv durchs Parlament brachte.

 

Erschienen in der BZ am 18. November 2011

Claude Chatelain