Vierte Säule: Zum Prämienrechner von Comparis

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat unter www.priminfo.ch seinen Prämienrechner verbessert. Man kann damit Prämien vergleichen, Kündigungsschreiben herunterladen und auf Wunsch via Homepage der Krankenversicherer Offerten einholen. 

Der staatliche Prämienrechner ist fast so gut wie die privaten von Comparis, Bonus oder Krankenversicherung.ch. Ist es wirklich Aufgabe des Staates, eine Dienstleistung anzubieten, welche bis anhin von Privaten verrichtet wurde? «Crowding out» nennt der Ökonom eine solche Verdrängung privatwirtschaftlicher Investitionen durch staatliche Aktivität. Man muss Kommunist sein, um ein Crowdin- out zu befürworten. Zumindest in der Theorie. Die Praxis ist häufig komplizierter. Es gibt privatwirtschaftliche Aktivitäten, um die es nicht schade ist, wenn sie vom Staat verdrängt werden. Das ist bei Monopolen der Fall.

 

Comparis hatte als Internetvergleichsdienst jahrelang praktisch ein Monopol. Monopole sind schädlich. Monopole sind schlimmer als ein Crowding-out. Aber auch Oligopole sind kein Garant für Wettbewerb. Dies gilt insbesondere für die genannten Vergleichsdienste, die von den Krankenkassen für jeden vermittelten Vertrag identische Preise verlangen, als handelte es sich um ein Kartell.

 

Internetvergleichsdienst tönt verlockend. Weniger verlockend tönt Makler, was Comparis und Konsorten eigentlich sind. Sie erhalten von den Krankenkassen für jeden vermittelten Abschluss eine Vermittlungskommission. Diese Kommission zahlt letztlich der Prämienzahler. Nutzt jedoch der Versicherte für den Kassenwechsel den staatlichen Prämienrechner, so ist das für die Kassen gratis. Diese Dienstleistung geht auf Kosten des Steuerzahlers, wobei hier die Kosten geringer ausfallen dürften, als wenn die Vermittlung durch Private erledigt wird. Noch hat der staatliche Rechner einen gravierenden Makel: Man kann die Offerten nicht direkt einholen, sondern nur via Homepage des gewünschten Krankenversicherers. Hoffen wir doch, dass dieser Mangel auf die nächste Prämienrunde behoben wird.

 

Erschienen in der BZ am 15. November 2011

Claude Chatelain