Gefragt sind flexible Spitalkostenzusatzversicherungen

Mehr und mehr Leute entscheiden sich für flexible Spitalkostenversicherungen mit hohen Selbstbehalten. Wer nicht halb privat versichert ist, aber den Arzt frei wählen möchte, findet bei der KPT ein entsprechendes neues Produkt.

Wie kann man Krankenkassenprämien sparen, wenn die Grundversicherung von Jahr zu Jahr teurer wird? Unter Umständen mit einer Erhöhung der Franchise. Oder natürlich bei den Zusatzversicherungen, insbesondere für die Spitalkosten. Privatversicherte können auf Halbprivat wechseln; und Halbprivatversicherte können eine flexible Spitalkostenzusatzversicherung auswählen, wie sie vor rund zehn Jahren lanciert wurde und die immer beliebter wird.

 

Für Gesunde und Betuchte

 

Mit dem Flex-Produkt, das noch nicht alle Versicherer im Sortiment führen, entscheidet der Versicherte vor dem Spitaleintritt, ob er in der allgemeinen, halbprivaten oder privaten Klasse behandelt werden will. Je nachdem zahlt er dann einen hohen Selbstbehalt von einigen Tausend Franken. Nach Angaben von Egon Hürlimann, VR-Delegierter und Geschäftsführer der Kolping-Krankenkasse, lohnen sich Flex-Angebote für Personen, welche über einen guten Gesundheitszustand verfügen und eine entsprechende Kostenbeteiligung übernehmen können.

 

Flex im Trend

 

Die Zahl der Privat- und Halbprivatversicherten ist tendenziell im Abnehmen begriffen, wie die unten stehende Tabelle zeigt. Sehr deutlich sieht man die Verschiebung bei der CSS: «Der grösste Teil unserer Kunden interessiert sich nur noch für die Produktelinie My Flex», erklärt Sprecherin Sandra Winterberg. Seit der Einführung Anfang 2009 haben sich 115 800 Personen für dieses Produkt entschieden. Die flexiblen Spitalkostenzusatzversicherungen unterscheiden sich in der Höhe des Selbstbehalts und der Prämie. Mehr und mehr kommen nun Hybride auf den Markt. Bei Groupe Mutuel beispielsweise ist Mutterschaft nicht eingeschlossen. Das könnte ein Grund sein, weshalb Groupe Mutuel dieses Produkt nicht sonderlich gut verkauft. Speziell ist auch My Flex der CSS. Das Produkt unterscheidet drei Kategorien: Economy, Balance oder Premium mit unterschiedlichen Leistungen, wobei man laut Sandra Winterberg ohne Gesundheitsprüfung vom billigeren ins teurere Produkt wechseln kann, wenn man bessere Leistungen versichert haben möchte.

 

Freie Arztwahl über alles

 

Ein neues Produkt bringt die KPT auf den Markt: Sie lanciert im Kanton Bern die Arztwahlversicherung Prio. Wie bei der Halbprivatversicherung kann man den Arzt frei wählen, muss aber im Spital auf den Komfort der halbprivaten oder privaten Abteilung verzichten. Wobei die KPT nicht mit jedem Arzt einen Vertrag abschliessen konnte. Ferner gilt der Versicherungsschutz nur in Spitälern, die zulasten der Grundversicherung abrechnen dürfen. Prio kostet rund ein Drittel einer halbprivaten Spitalkostenzusatzversicherung. Diese Idee ist nicht ganz neu: Wincare, die heute zur Sanitas gehört, lancierte schon in den Neunzigerjahren die sogenann-te Privatarztversicherung. Sie stiess jedoch nur auf ein geringes Interesse und wird heute nicht mehr aktiv verkauft. «Wir beurteilen das Produkt durchaus als innovativ, in der Umsetzung erwies es sich allerdings als schwierig», gesteht Sanitas-Sprecherin Isabelle Vautravers. Insbesondere seitens der Spitäler sei das Echo ernüchternd, da offenbar die Umsetzung der Wahl des Privatarztes nicht immer einfach in die Prozesse des Spitals zu integrieren sei. Womöglich war der Markt für ein Privatarztmodell à la KPT oder Sanitas bislang noch nicht reif.

 

Erschienen in der BZ am 8. November 2011

Claude Chatelain