Die Finma lässt sich in der Causa Valiant Zeit, viel Zeit

Seit über einem Jahr ist die Finma damit beschäftigt, die marktfremde Kursentwicklung der Valiant-Aktie zu untersuchen. Bei einer derart langen Überprüfung kommt der Verdacht auf, es sei nicht alles mit rechten Dingen zu- und hergegangen.

Was ist im vergangenen Jahr falsch gelaufen bei der Valiant-Bank? Wie war es möglich, dass der Aktienkurs jahrelang jeglicher Unbill zu trotzen vermochte, nur um plötzlich aus dem Nichts im freien Fall in die Tiefe zu sacken? Antworten auf solche Fragen erwartet die Öffentlichkeit von der Finanzmarktaufsicht (Finma) — und dies seit über einem Jahr. Am 27. Oktober vergangenen Jahres hat Valiant die Finma schriftlich gebeten, den Handel in Valiant-Aktien zu untersuchen, nachdem die Aktie innert drei Tagen 20 Prozent des Werts verloren hatte. Ebenfalls ihrer Treuhandgesellschaft KPMG erteilte sie den Auftrag, die wundersame Aktienkursentwicklung unter die Lupe zu nehmen.

 

«Keine Kursmanipulation»

 

Am 11. November 2010, also nur zwei Wochen später, erklärte Daniel Senn von KPMG Zürich an einer von der Valiant Holding einberufenen Medienkonferenz, dass alles in Butter sei. «Wir konnten keine Kursmanipulationen feststellen, die gegen das Strafgesetzbuch oder die Marktverhaltensregeln der Finanzmarktaufsicht verstossen», sagte Senn. Auch Scheingeschäfte seien keine festgestellt worden.

 

Nährboden für Spekulation

 

Deutlich mehr Zeit benötigt die Finanzmarktaufsicht für ihre Untersuchungen. «Wir haben von der Finma noch keinen Bescheid erhalten», bestätigt Valiant-Sprecherin Valérie Bodenmüller. Wobei sich niemand in der Branche erklären kann, weshalb sich eine solche Überprüfung derart in die Länge zieht. Unangenehm muss dies vorab für die Valiant sein, die wohl gerne einmal Klarheit hätte, obschon sie sich offiziell und auch inoffiziell nie negativ über die Aufsichtsbehörde äusserte.

 

Je länger die Finma mit dem Untersuchungsergebnis auf sich warten lässt, desto eher muss der Verdacht aufkommen, dass beim Aktienhandel nicht alles mit rechten Dingen zuging. Beste Voraussetzungen, um den Faden für Spekulationen zu spinnen. Bekannt ist, dass die Valiant-Bank via ihre Partnerbank Lombard Odier als Market-Maker tätig war. Das Market-Making führte dazu, dass rund 74 Prozent des total gehandelten Volumens in Valiant-Aktien über Valiant selber abgewickelt wurden. Dies ist nicht ungewöhnlich, aber fragwürdig. Als Marktmacher stellt die Bank sicher, dass der Handel eigener Aktien mit genügend Liquidität versehen ist, indem sie Kauf- und Verkaufskurse stellt und damit temporäre Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage ausgleicht. Insbesondere bei Aktien mit einem geringen Marktvolumen ist ein solches Market-Making notwendig. Nicht bekannt ist, wieweit Valiant vor Börsenbeginn mit dem Stellen von Eröffnungskursen die Kursentwicklung unrechtmässig zu beeinflussen vermochte. Dies könnte laut Beobachtern ein Punkt sein, den die Finma genauer unter die Lupe nimmt. Die Valiant Holding hat die Finma aus freien Stücken gebeten, den Handel zu untersuchen. Hätte sie gewusst, dass sich diese Übung derart in die Länge zieht, hätte sie es sich womöglich anders überlegt.

 

Erschienen in der BZ am 8. November 2011

Claude Chatelain