Wenn der dritte Beitragszahler ausfällt

Viele lange Jahre betrug der Mindestzins 4 Prozent. Nämlich seit der Einführung des Bundesgesetzes über die berufliche Vorsorge (BVG) im Jahr 1985 bis ins Jahr 2002, als Bundesrätin Ruth Metzler den gesetzlichen Mindestzins auf 3,25 Prozent senkte. Der Begriff «Rentenklau» war geboren. 

In all den Jahren galt die Verzinsung des Pensionskassenkapitals als dritter Beitragszahler – neben den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträgen. Und nun soll dieser dritte Beitragszahler ab dem kommenden Jahr nur noch 1,5 Prozent abwerfen.

 

Die kontinuierliche Senkung des Mindestzinses ist eine Reaktion auf die mageren Erträge, die sich an den Finanzmärkten erzielen lassen. So unangenehm das sein mag: Wenn dieser dritte Beitragszahler ausfällt oder nur noch bescheidene Beiträge abliefert, müssen die anderen Zahler – eben die Arbeitgeber und Arbeitnehmer – höhere Beiträge beisteuern oder mit tieferen Renten vorliebnehmen. Daran führt kein Weg vorbei. Es sei denn, man verfährt im Stil all jener Pensionskassen, welche die Problemlösung hinausschieben und eine Unterdeckung in Kauf nehmen. Hier wird später jemand die Zeche zahlen – und sie wird höher ausfallen, als wenn das Loch sofort gestopft würde.

 

Der Bundesrat wird in der Wintersession dem Parlament einen Bericht vorlegen, wie das BVG aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen umgestaltet werden könnte. Er wird tiefere Renten oder höhere Beiträge vorsehen – eine andere Lösung gibt es nicht.

 

Erschienen in der BZ am 3. November 2011

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Claude Chatelain