Die CS macht eine Schlankheitskur

Die Credit Suisse verkleinert das Investmentbanking, wie das von der Politik erwünscht wird. Doch wer einzig auf den Aktienkurs schielt, hat am Quartalsergebnis keine Freude.

Keine Frage: Politiker von links bis rechts wünschen sich von den Grossbanken, dass sie das Investmentbanking herunterfahren und damit die Risiken reduzieren. Einige möchten sogar ein Trennbankensystem, sodass systemrelevante Banken die risikoträchtigen Geschäftsteile des Investmentbankings abstossen müssten. Womöglich haben nicht alle daran gedacht, dass die Verkleinerung eines Geschäftsbereichs unweigerlich auch einen Stellenabbau zur Folge hat. Nur so sind die gestrigen Reaktionen zu erklären, als die Credit Suisse einen weiteren Abbau von 1500 Stellen verkündete, nachdem bereits im Juli die Streichung von 2000 Arbeitsplätzen weltweit vermeldet worden war.

 

Stellenabbau in der Schweiz

 

Freilich sollen die Stellen nicht nur in New York, London und Singapur abgebaut werden, sondern auch in der Schweiz. Und hierzulande wäre demnach nicht das Investmentbanking, sondern das Privatkundengeschäft betroffen. Den Stellenabbau begründete Brady Dougan mit den zu hohen Kosten. Er will in den kommenden zwei Jahren 2 Milliarden Franken einsparen. Wie viele Arbeitsplätze in der Schweiz gestrichen werden, konnte Dougan indessen nicht sagen. Dies rief verständlicherweise den Bankpersonalverband auf den Plan: Er fordert mehr Transparenz. Die vagen Äusserungen führten zu einer grossen Unsicherheit. Die Bankangestellten verspürten ein Unbehagen, die Sparmassnahmen erdulden zu müssen, während die Lohnunterschiede in der Bankbranche zu den höchsten aller Branchen gehörten, schrieb der Bankpersonalverband gestern.

 

Es war nicht der erneute Stellenabbau, der die Aktie der Credit Suisse bis Börsenschluss um 8,2 Prozent in die Tiefe sausen liess. Es war vielmehr der mässige Reingewinn von 683 Millionen Franken, der die Investoren enttäuschte, denn die Analysten hatten für das dritte Quartal 2011 einen Reingewinn von rund 1 Milliarde Franken vorausgesagt. Damit haben wir gerade die umgekehrte Situation als vor Wochenfrist bei der UBS: Damals hatten die Analysten mit einem tieferen als dem effektiven Quartalsgewinn gerechnet. Doch in beiden Fällen sorgten Sonderfaktoren dafür, dass der ausgewiesene sehr stark vom prognostizierten Reingewinn abweicht. Was wiederum zeigt, wie viel Kreativität doch in Quartalsabschlüssen steckt. Enttäuscht zeigten sich gestern die Bankanalysten unter anderem über den halbierten Neugeldzufluss gegenüber dem Vorjahr. Wobei man im derzeit garstigen Umfeld eigentlich froh sein müsste, dass die CS unter dem Strich neue Anlagegelder von 7,4 Milliarden Franken entgegennehmen konnte. Auch der Verlust von 190 Millionen Franken im Investmentbanking ist zumindest für die Aktionäre enttäuschend.

 

Weniger Risiken

 

Insgesamt erfreulich ist dagegen der Umstand, dass Brady Dougan die risikogewichteten Aktiven bei den festverzinslichen Wertpapieren um 50 Prozent halbieren will. Erfreulich ist das weniger für den Aktionär und das mit Boni verwöhnte Management. Erfreulich ist das dagegen für die Schweiz insgesamt, die im Notfall geradestehen muss, wenn eine systemrelevante Bank ins Schleudern gerät. Der Solothurner CVP-Nationalrat Pirmin Bischof sagte in einem Interview (Ausgabe vom 9. April 2011): «Je mehr risikoträchtige Geschäfte die Grossbanken betreiben, desto mehr Eigenmittel müssen sie unterlegen. Das wird den Anreiz für spekulative Geschäfte automatisch mindern.»

 

Im Sinne von «Too big to fail»

 

Somit entspricht die von Brady Dougan angekündigte Massnahme der Risikoreduktion exakt dem Geist der «Too big to fail»-Vorlage, wie sie von Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf im Schnellzugtempo durchs Bundesparlament gepeitscht und in der zurückliegenden Herbstsession abgesegnet werden konnte.

 

Erschienen in der BZ am 2. November 2011

Claude Chatelain