Vierte Säule: Es war einmal ein Tanzlokal....

Es war einmal ein Tanzlokal: Dort stiehlt ein Mädchen punkto Schönheit allen anderen die Show. Alle Männer wollen nur mit dieser einen jungen Frau tanzen. Die anderen Frauen stehen tatenlos herum. Dann erscheint plötzlich der Vater und bringt das schöne Mädchen nach Hause. Jetzt stehen die Männer herum und wissen nicht, was sie tun sollen. 

Diese Geschichte erzählte mir jüngst Davis C. Hall von der Crédit Agricole, der zweitgrössten Bank Frankreichs. Der gebürtige Amerikaner erzählte diese Geschichte nicht aus einer romantischen Laune heraus. Vielmehr wollte er mit diesem Beispiel die Währungssituation illustrieren. Das schöne Mädchen ist der Schweizer Franken. Die Männer sind die Investoren. Und der Vater, der seine Tochter den Männern entzog, ist die Schweizerische Nationalbank.

 

Überhaupt geizte der Währungsspezialist nicht mit Lob. Die Nationalbank habe mit ihrer konsequenten Haltung die Investorengemeinde nicht nur beeindruckt, sie habe sie eingeschüchtert. Sie müsse heute gar nichts mehr verlautbaren. Der Franken werde sich so oder so wieder abschwächen. Für Dezember 2012 sagt die Crédit Agricole einen Eurokurs von 1.38 Franken voraus. Und der Dollar werde mit einem Kurs von 1,05 auch wieder über einen Franken kosten. Auch Ursina Kubli, die Devisenspezialistin der Bank Sarasin, sagte kürzlich einen Eurokurs von 1.30 Franken voraus. Eigentlich wären das erfreuliche Aussichten. Wehmütig stimmt mich einzig der Umstand, dass Währungsprognosen selten ins Schwarze treffen.

 

Erschienen in der BZ am 1. November 2011

Claude Chatelain