Sind Regionalbanken noch sicher?

Die Berner Regionalbanken verzeichnen zum Teil herbe Kursverluste. Zum einen wegen Margenproblemen, zum anderen wegen des illiquiden Markts.

«Sind die stabilen kleineren Regionalbanken auch nicht mehr sicher?», fragt ein besorgter Leser. Besonders aufgefallen ist ihm der herbe Kursverlust der Bernerland-Bank mit Sitz in Sumiswald, die zur Clientis-Gruppe gehört. «Plant etwa die Valiant-Bank eine Übernahme der Clientis, und versucht sie die Kurse zu drücken?», so der Leser weiter. Beat Michel, Generalsekretär der Valiant Holding, gibt Entwarnung: «Wir haben schon bei früherer Gelegenheit kommuniziert, dass sich die Valiant in einer Konsolidierungsphase befindet. Neue Übernahmen sind derzeit keine geplant.»

 

Illiquider Markt

 

Auch Peter Ritter, Geschäftsführer der Clientis-Bernerland-Bank, streitet Übernahmeverhandlungen ab. Für Ritter sind die Kursverluste, wie sie auf der Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank erscheinen, ohne Bedeutung. «Die Bernerland-Bank hat 186 200 Aktien. Weniger als 1 Prozent davon wird über die Kantonalbank gehandelt», sagt Ritter. «Das ist ein sehr illiquider Markt.» «Am liebsten würde ich die Aktien dekotieren lassen», so Ritter weiter. Doch was nicht kotiert sei, könne man auch nicht dekotieren. Man könne der Kantonalbank nicht verbieten, einen ausserbörslichen Aktienhandel zu betreiben. Illiquid heisst hier auch ineffizient. Ende letzter Woche stellte die OTC-X für die Bernerland-Bank einen Verkaufskurs von 400 Franken; derweil die Bernerland-Bank auf ihrer Homepage für jede Aktie 420 Franken anbietet. Theoretisch könnte man also bei der BEKB Aktien für 400 Franken kaufen und diese bei der Bernerland-Bank zu 420 Franken wieder verkaufen. Doch Peter Ritter befürchtet keine solche Übungen. Dazu sei der Markt zu klein, eben zu illiquid. Pro Jahr würden um die 5000 Aktien den Besitzer wechseln, ein grosser Teil davon über Erbschaften. Die Befürchtungen des eingangs zitierten Lesers sind dennoch nachvollziehbar, weil die Regionalbanken derzeit in einem schwierigen Marktumfeld agieren. «Die tiefen Zinsen führen zu Margenproblemen und damit zu tieferen Bruttogewinnen», erklärt Fritz Ruprecht von der Firma Helveticstar, die sich auf ausserbörsliche Werte spezialisiert.

 

Keine Immo-Blase in Bern

 

Ferner ist wiederholt von einer Immobilienblase die Rede. Sollte diese platzen, könnte die eine oder andere Bank in die Bredouille geraten. Was die Berner Regionalbanken betrifft, sieht Ruprecht diese Gefahr nicht. «Sie haben sich bisher sehr gut gemetzget», sagt Ruprecht. Ausserdem sei der Immobilienmarkt vorab in der Zürcher und der Genfer Region überhitzt, nicht aber im ländlichen Kanton Bern. Hinzu komme, dass die Regionalbanken zu rund 80 Prozent Einfamilienhäuser finanzierten. Risikoreicher seien Finanzierungen von Mehrfamilienblocks. Zurück zur Clientis-Bernerland-Bank: Gemäss einer Unternehmensstudie der Swiss Equity Research vom 23. Mai 2011 ist die Aktie gemessen an der Substanz bei einem Kurs von 420 Franken nicht überbewertet. Die Dividendenrendite sei mit 2,3 Prozent «passabel». Für Kunden der Bank lohne sich der Aktienbesitz wegen des Vorzugszinses. Die Bernerland-Bank gehört mit einer Bilanzsumme von 1,3 Milliarden Franken zu den grösseren Regionalbanken im Kanton Bern. Sie beschäftigt teilzeitbereinigt 62 Mitarbeiter.

 

Erschienen in der BZ am 1. November 2011

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Claude Chatelain