Auf und Ab der Berner Aktien

Die Kursentwicklung der nicht kotierten Berner Aktien schwankt seit Anfang Jahr zwischen minus 88 und plus 25 Prozent. Weiss + Appetito liegt an der Spitze; die Bergbahnen Meiringen-Hasliberg markieren das Schlusslicht.

Bei Weiss + Appetito scheinen die Aktien nur eine Richtung zu kennen: nach oben. Schon 2010 kletterten sie um 34,6 Prozent in die Höhe. Auch im laufenden Jahr scheint der Appetit auf Weiss + Appetito nicht gestillt zu sein: Die Aktien legten bis Ende September um weitere 25 Prozent zu, um so viel wie keine andere im vorliegenden Vergleich der nicht kotierten Berner Aktien.

 

Casino sorgt für Fantasie

 

Auf Kurs ist auch die Kongress und Kursaal Bern AG. Der Aktienkurs hat zwar in den letzten Monaten wieder etwas nachgelassen, liegt aber gegenüber Anfang Jahr immer noch um 7 Prozent im Plus. Swiss Equity Research kommt in einer Unternehmensstudie zum Schluss, dass die Aktien mittelfristig ein Kurssteigerungspotenzial aufweisen. Derzeit wird das Kongresszentrum für rund 35 Millionen Franken umgebaut. Zudem hat die Gesellschaft im Juni den Zuschlag für das Casino in Neuenburg erhalten. Das Casinobusiness ist lukrativ: Zwei Drittel des Gewinns werden in diesem Bereich erwirtschaftet.

 

Zucker korrigierte

 

Mit den Zuckerfabriken Aarberg und Frauenfeld verzeichnet eine weitere zumindest «halbe» Berner Firma einen Kursanstieg, wenn auch einen bescheidenen. Im Mai notierte die Aktie sogar bei 33 Franken, 24 Prozent über den 26.5 Franken von Ende September. Damals schrieb Swiss Equity Research: «Die Chance auf weitere Kurssteigerungen ist mittelfristig gering.» Eine Einschätzung, die sich zumindest kurzfristig bestätigen sollte. Swiss Equity ist eine Tochtergesellschaft der «Neuen Zürcher Zeitung».

 

Immobilien sind gefragt

 

Interessant könnten die Aktien der Espace Real Estate sein, des in Biel domizilierten Immobilienunternehmens. Die Gesellschaft entstand 2001 aus den ehemaligen Drahtwerken Biel. Interessant deshalb, weil Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen ihr Immobilienportefeuille vergrössern möchten. Die wachsende Nachfrage lässt die Preise hochklettern. Trotz dieser erbaulichen Aussichten gibt sich Swiss Equity betont vorsichtig: «Analog der Firmengeschichte eignen sich die Aktien nicht zur kurzfristigen Anlage, sondern für langfristig ausgerichtete Investoren, die auch zukünftig eine ansprechende Dividendenrendite von rund 3 Prozent erwarten können,» schreiben die Analysten in einer Studie. Am unteren Ende der Skala figurieren wenig überraschend die Bergbahnen Meiringen-Hasliberg. Vor zwei Wochen gab das in finanzielle Schieflage geratene Unternehmen bekannt, dass die Anlagen im Winter laufen werden. Am 10. Dezember 2011 wird die Saison gestartet. Im Nachlassverfahren seien nun Offerten von potenziellen Investoren eingegangen. Der Verwaltungsrat gibt sich zuversichtlich, bis spätestens Mitte November 2011 eine Lösung vorlegen zu können.

 

Einmal hoch, einmal runter

 

Bemerkenswert ist schliesslich der Kursverlauf der Luftseilbahn Wengen–Männlichen. Im vergangenen Jahr stieg der Kurs von 122 bis 175 Franken, entsprechend einem Plus von 43 Prozent. Nun ist die Aktie wieder für 125 Franken zu haben – wie 2010 gewonnen, so 2011 zerronnen.

 

 

Kotierte Aktien

 

«Die Biella Group konnte im ersten Semester 2011 den Absatz insbesondere in den strategischen Wachstumsfeldern deutlich steigern.» Dies schrieb der grösste Büromaterialhersteller der Schweiz im Halbjahresbericht. Dieser Erfolg dürfte mit ein Grund sein, weshalb die an der Berner Börse gehandelte Aktie seit Anfang Jahr um über 12 Prozent zuzulegen vermochte. Das Plus steht im krassen Gegensatz zum Markt insgesamt: Der Swiss Performance Index (SPI) hat in den drei ersten Quartalen 2011 13,5 Prozent eingebüsst. Oder gehört der Hersteller des berühmten Bundesordners etwa zu den Importgewinnern? Profitiert Biella Neher vom schwachen Euro? Finanzchef Andreas Schafhirt relativiert. 95 Prozent des in der Schweiz verkauften Büromaterials würden in der Schweiz hergestellt. Profitieren könne man dagegen von den wechselkursbedingt tieferen Rohstoffpreisen für Karton, Metalle und Polypropylen. Allerdings sei auf dem Markt ein starker Druck zu verspüren. Die Käufer verlangten, dass aufgrund der Währungssituation Preisnachlässe gewährt würden. Freuen dürfte den Aktionär, dass die neu geschaffenen Kapazitäten bereits sehr gut ausgelastet sind. «Für alle drei Werke verzeichnen wir bereits bis zum Jahresende eine Auslastung auf hohem Niveau», steht im Halbjahresbericht zu lesen. Freilich ist festzuhalten, dass die Aktie des in Brügg beheimateten Unternehmens vor drei Jahren auch schon 15 000 Franken gekostet hat, 36 Prozent über dem Schlusskurs von 11'000 Franken von Ende September 2011.

 

 

INFOTHEK

 

Nichtkotierte Diese Zeitung publiziert am Ende eines Quartals die Kursentwicklung ausgewählter nicht kotierter Berner Aktien. Die Rangliste hat aber teilweise Zufallscharakter, denn nicht alle Aktien werden regelmässig gehandelt. Eine einzige grössere Transaktion kann hohe Kursschwankungen und grosse Verschiebungen in der Rangliste hervorrufen. Weil bei einigen Aktien die letzte Handänderung mehrere Wochen, wenn nicht Monate zurückliegt, wird hier nicht auf den zuletzt bezahlten Kurs, sondern auf den gestellten Geldkurs abgestellt. Die nicht kotierten Aktien können über die OTC-X, die Handelsplattform der Berner Kantonalbank, gekauft und verkauft werden. Die Webadresse lautet: www.otc-x.

 

Erschienen in der BZ am 4. Oktober 2011


Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Claude Chatelain