Vierte Säule: Zu den Klagen der Exportbranche

Heute wird der Nationalrat seine Beratung über das 870 Millionen Franken schwere Hilfspaket fortsetzen. Vordergründig geht es um die Unterstützung der exportorientierten Unternehmen, die lauthals über den starken Franken jammern.

Ginge es den börsenkotierten Schweizer Unternehmen derart schlecht, wie sie den Anschein erwecken, müsste sich das an der Börse spiegeln. Das Gegenteil ist der Fall: Die Schweizer Börse ist weniger stark eingebrochen als die europäischen, deren Exportfirmen vom schwachen Euro profitieren. Die plausible Antwort auf diesen vermeintlichen Widerspruch: Die Klagen sind übertrieben. Auch Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann sagt: «Es gibt mehr Importgewinner als Exportverlierer.» Wirtschaftsprofessor Mathias Binswanger schrieb in der NZZ: «Zu Klagen besteht kein Anlass.» Nach seinen Informationen hat die Verteuerung der Exportprodukte nur wenig Einfluss auf die Nachfrage, da zahlreiche Exportgüter der Schweiz von höchster Qualität sind und nicht telquel durch Produkte anderer Länder ersetzt werden können. Zu denken sei an spezielle Messgeräte oder pharmazeutische Produkte.

 

Zudem profitiert jeder Exporteur von tieferen Importpreisen. Nun hat man lesen können, dass der Wettbewerb bei den Importpreisen nicht funktioniert. Direkter betroffen davon sind der Detailhandel und die Konsumenten. Auch die KMU, welche im Ausland keine Vertretungen haben, sind zum Teil den starren Importpreisen ausgeliefert. Doch ich spreche hier von den börsenkotierten Konzernen. Die meisten von ihnen unterhalten Filialen im Ausland. Sie können über ihre ausländische Tochter die Einkäufe tätigen und in der Konzernrechnung den Währungsgewinn verbuchen.

 

Im Frühling werden Schweizer Unternehmen über das Geschäftsjahr 2011 Rechenschaft ablegen. Bei vielen wird der harte Franken in der Bilanz seine Spuren hinterlassen. Bei anderen wird es heissen, das Ergebnis sei «trotz des harten Frankens» sehr gut ausgefallen. Hier werde ich eine Korrektur anbringen müssen: wegen, nicht trotz des harten Frankens.

 

Erschienen in der BZ am 20. September 2011

Claude Chatelain