UBS: Villiger ist das Problem, nicht Grübel

Darf man nun aufatmen, weil Oswald Grübel seine Demission eingereicht hat? Nein. Kaspar Villiger ist das Problem, nicht Grübel.

Die Eidgenossenschaft und auch die Aktionäre haben alles Interesse daran, dass die UBS das Investmentbanking herunterfährt oder sich von den hochriskanten Geschäftsaktivitäten gänzlich verabschiedet. Ohne Investmentbanking verkleinert sich das Risiko, dass der Steuerzahler ein weiteres Mal die Bank wegen ihrer volkswirtschaftlich unentbehrlichen Geschäftsaktivität retten muss. Und ohne Investmentbanking wäre die UBS an der Börse erst noch mehr wert als heute. Das Investmentbanking liefert zwar einer Bank regelmässig satte Gewinne, sorgt aber zwischenzeitlich für noch höhere Verluste.

Die Ausrichtung des Investmentbankings ist jedoch ein strategischer Entscheid. Und für die Strategie ist nicht der Konzernchef, sondern der Verwaltungsrat zuständig, der immer noch von Alt-Bundesrat Kaspar Villiger präsidiert wird. Zu wünschen wäre, dass sein Nachfolger, der deutsche Axel Weber, nicht erst 2013 das Ruder übernimmt, um einen Kurswechsel einzuleiten.

So gesehen ist auch zu hoffen, dass mit der Wahl des interimistischen Konzernchefs Sergio Ermotti wirklich nur ein Interregnum eingeläutet wurde. Ermotti ist bei Merrill Lynch in den USA gross geworden. Er ist ein Banker amerikanischer Machart, eben ein Investmentbanker. Doch an der operativen Spitze einer Grossbank, die in der Schweiz «too big to fail» ist, wünscht man sich einen Banker schweizerischer Prägung. Einen, der den Fokus auf die Vermögensverwaltung legt.

 

Erschienen in der BZ am 26. September 2011

Claude Chatelain