Ist Mäder über Penelope Cruz gestolpert?

Penelope Cruz
Penelope Cruz

Das Modehaus kommt nicht zur Ruhe. Konzernchef André Mäder muss nach nur anderthalb Jahren gehen. Etliche Filialleiter werden darüber nicht traurig sein.

 

Vor knapp einem Jahr hat André Mäder im grossen Stil sein Personal ausgewechselt. Jetzt muss der CEO von Charles Vögele selber gehen. «Aufgrund unterschiedlicher Auffassungen betreffend die Umsetzung der Unternehmensstrategie», wie es in solchen Fällen heisst. Mäder hat versucht, dem Modehaus ein neues Image zu verpassen, personifiziert durch die Schwestern Penélope und Mónica Cruz sowie Til Schweiger. Zudem wechselte er an Schlüsselstellen das Personal aus: Neue Designer, neue Dekorateure, neue Chefeinkäufer und vor allem neue Filialleiter sollten seine Vorstellungen einer modernen Modekette umsetzen.

 

Grosse Unruhe in Bern

  

Gerade in den Stadtberner Filialen an der Markt- und Spitalgasse lösten diese Massnahmen grosse Unruhe aus. Die beiden Filialleiter wie auch der Regionalleiter mussten gehen. Zum Teil wurde auch älteren Verkäuferinnen gekündigt, um sie durch jüngere zu ersetzen.

Nachdem diese Bereinigungen in dieser Zeitung publik geworden waren, meldeten sich zahlreiche Filialleiter aus diversen Ecken der Schweiz, denen das gleiche Schicksal widerfahren war oder zu widerfahren drohte. Später bestätigte Mäder dieser Zeitung, dass etliche Filialleiter in der ganzen Schweiz ersetzt werden mussten. Er begründete das mit der «unterschiedlichen Auffassung betreffend die Strategie». Jetzt wird der gebürtige Berner durch den Deutschen Frank Beeck ersetzt, der bisher als oberster Verkaufsleiter fungierte. Wie weit der äusserlich ruhig wirkende Beeck in der Funktion des Verkaufsleiters für die unzimperlichen personellen Veränderungen verantwortlich zeichnete, wird man später sicher noch erfahren.

 

Ziegler, der Sanierer

 

Nicht nur auf der operativen, auch auf der strategischen Ebene steht eine Änderung an: Hans Ziegler, seit 2008 im Verwaltungsrat von Charles Vögele, löst Alain Caparros als Verwaltungsratspräsident ab und wird die Konzernleitung mit einem 50-Prozent-Pensum unterstützen. Caparros bleibt Mitglied des Verwaltungsrats. Ziegler ist nicht bekannt als Stratege und schon gar nicht als Modeguru, vielmehr als Sanierer. Schon bei OC Oerlikon und bei der Erb-Gruppe hatte er in der schwierigsten Phase das Zepter übernommen. Zumindest die Börsianer scheinen dem 59-jährigen Ziegler zu vertrauen: Bei Handelsbeginn schoss die Aktie um über 8 Prozent in die Höhe und schloss am Abend um 3,54 Prozent im Plus.

 

Erschienen in der BZ am 14. September 2011

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Claude Chatelain