Vierte Säule: Anlegen nach Freiburger Art

Üblicherweise tendieren Aktienkurse nach oben oder nach unten. Beim Aufwärtsszenario fragt man sich: Wie lange werden die Kurse noch steigen? Hat sich etwa eine Blase gebildet? Und bei abwärtstendierenden Märkten fragt man sich: Wie lange werden die Kurse noch sinken? Ist der Boden endlich erreicht?

Derzeit haben die Kurse keine klare Richtung. Börsianern ergeht es derzeit wie Jassern beim «Schieber», wenn sie drei Asse und drei Sechser haben. Sie wissen nicht, ob sie nun «Obenabe» oder «Ungerufe» machen sollen. 

Anlegen nach Freiburger Art: Moitié-moitié.
Anlegen nach Freiburger Art: Moitié-moitié.

Für steigende Kurse spricht die tiefe Bewertung der Aktien. Bewertet werden sie aufgrund ihrer Gewinnaussichten. Daraus ergibt sich das viel beachtete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Im historischen Vergleich liegt es auf tiefem Niveau.

 

Für sinkende Aktienkurse sprechen dagegen die volkswirtschaftlichen Aussichten. Nicht wenige sagen einen Double Dip voraus, also ein abermaliges Abtauchen in eine Rezession – vor allem in den USA. Eine Wirtschaftsabschwächung würde sich zwangsläufig in tieferen Unternehmensgewinnen niederschlagen. Die oben genannten Gewinnschätzungen müssten nach unten korrigiert werden. Dies wiederum liesse das KGV hochschnellen, was unweigerlich zu einem Verkaufsdruck führen würde.

 

Was tun? Ich empfehle das Freiburger Fondue Moitié-moité. Man nehme jenes Kapital, das man in Aktien anlegen möchte. 50 Prozent davon lege man in Aktien an; die anderen 50 Prozent bleiben auf dem Sparkonto. Steigen die Aktienkurse, werden Sie frohlocken und sagen: Gott sei Dank, habe ich so viele Aktien gekauft. Und wenn die Kurse fallen, sagen Sie sich: Gott sei Dank, kann ich jetzt mit der Hälfte meines Kapitals Aktien zu einem günstigen Preis ergattern. Es ist wie mit dem halb vollen und dem halb leeren Glas. Es ist alles nur eine Frage der Einstellung.

 

Erschienen in der BZ am 31. August 2010

Claude Chatelain