Berner Kantonalbank zieht die Schraube an

Die Berner Kantonalbank vermochte die Hypothekarforderungen im ersten Halbjahr zu steigern. Bei der Vergabe neuer Hypotheken verlangt sie neu höhere Garantien.

 

«Gutes Ergebnis – starkes Hypothekargeschäft» titelt die Berner Kantonalbank ihre Medieninformation zum Halbjahresergebnis 2011. Die BEKB scheint also in diesem Geschäftsbereich ziemlich Gas zu geben. Die Hypothekarforderungen stiegen in sechs Monaten um 2 Prozent auf 16 Milliarden Franken. Das sind ganz andere Töne, als sie vor einer Woche bei der Valiant Bank zu hören waren: Die Regionalbank hat beim Hypothekargeschäft nach eigenen Angaben bewusst einen Gang tiefer geschaltet.

 

Gegensätzliche Strategie

 

Die unterschiedliche Strategie spiegelt sich auch im offiziellen Hypothekarzinssatz: Gemäss dem Onlinevergleich des Vermögenszentrums beträgt der Zins für eine fünfjährige Festhypothek bei der BEKB 1,75 Prozent, bei der Valiant dagegen 2 Prozent. Und wenn der Hausbesitzer mit dem geliehenen Geld umweltschonende Sanierungen vornimmt, so gibts bei der BEKB erst noch einen Rabatt von mindestens 0,25 Prozentpunkten. Die BEKB weist jedoch in ihrer Mitteilung darauf hin, dass sie bei der Kreditgewährung darauf achte, «dass die Tragbarkeit für die Kunden auch bei einer Stabilisierung der Zinsen auf einem höheren Niveau gewährleistet ist». Sie geht dabei von einem kalkulatorischen Zinssatz von 5 Prozent aus. Allerdings verlangt die BEKB für neue Hypothekarfinanzierungen mindestens 20 Prozent «echtes Eigenkapital», also ein Eigenkapital ohne Pensionskassengelder. Somit wird die BEKB die Vergabepraxis verschärfen. Dies als Antwort auf die hohe Liquidität, die steigenden Liegenschaftspreise und die extrem tiefen Zinsen.

 

Hoher Deckungsgrad

 

Auch um die Finanzierung der Hypotheken braucht sich die BEKB keine Sorgen zu machen. Sie hat mehr Spargelder von Kunden, als sie auf der anderen Seite Kredite vergibt, was sich in einem Deckungsgrad von über 100 Prozent niederschlägt. Bei der Berner Kantonalbank ist das zwar nichts Neues. «Die BEKB verfolgt seit Jahren das Ziel, dass die Kundenausleihungen durch die Kundengelder gedeckt werden sollten», erklärt Finanzchef Alois Schärli. Hingegen bei den Regionalbanken liegt der Deckungsgrad so zwischen 75 und 90 Prozent. Auffallend im Halbjahresergebnis ist der starke Anstieg des Geschäftsaufwandes um 4,8 Prozent. Schärli führt dies auf höhere IT-Betriebskosten zurück. Mit diesem überdurchschnittlichen Kostenanstieg steigt auch das Kosten-Ertrags-Verhältnis von 49,7 auf 51,3 Prozent. Damit ist aber die BEKB immer noch im Hick. Die anvisierte Bandbreite liegt zwischen 50 und 55 Prozent.

 

Erschienen in der BZ am 27. August 2011

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Claude Chatelain