Valiant schliesst zehn Filialen

Auch an der Lenk schliesst Valiant eine Filiale.
Auch an der Lenk schliesst Valiant eine Filiale.

Die Valiant-Gruppe schliesst zehn unrentable und kleine Filialen und will damit Kosten sparen. Die Investoren quittierten die News mit Wohlwollen.

 

Bisher war man es gewohnt, dass die Regionalbankengruppe Valiant Filialen eröffnet oder Konkurrenzinstitute einverleibt. Denn seit 2007 hat sich die Gruppe um 26 zusätzliche Geschäftsstellen erweitert. Doch jetzt läuft die Phase der Konsolidierung, wie schon an der Bilanzmedienkonferenz vom 9. März 2011 und später an der Generalversammlung angekündigt wurde. Was das unter anderem konkret heisst, hat gestern CEO Michael Hobmeier an der Medienkonferenz zum Halbjahresresultat 2011 erklärt: die Schliessung von zehn Filialen.

Geschlossen werden Kleinstfilialen, die teilweise nur ein paar Stunden pro Tag offen sind. Laut Hobmeier hat man anhand eines Kriterienkatalogs jede einzelne Geschäftsstelle unter die Lupe genommen. Eines dieser Kriterien war die Distanz zur nächsten Filiale. Mit Ausnahme von Lenk, deren Valiant-Kunden dereinst ins 13 Kilometer entfernte Zweisimmen fahren müssen, befindet sich die nächste Filiale in jeweils in der Nähe. Entlassungen sind keine geplant. Die Mitarbeiter der zu schliessenden Bankfilialen werden in der nächstgelegenen Geschäftsstelle tätig sein, sodass der Kunde wohl ein weiter entferntes Gebäude, aber nicht einen anderen Berater aufsuchen muss. 

CEO Michael Hobmeier.
CEO Michael Hobmeier.

Schlankheitskur

  

Zudem verpasst sich die Valiant Holding eine schlankere Struktur. Die vier Tochterbanken Valiant-Bank, Valiant-Privatbank, Spar und Leihkasse Steffisburg und Banque Romande Valiant werden zusammengelegt und unter das Dach der Valiant-Bank gestellt. Diese neue Struktur muss von der Finanzmarktaufsicht (Finma) noch abgesegnet werden. Und die Finma wird dann auch sagen, ob Michael Hobmeier als CEO der Holding auch gleichzeitig CEO der neuen Valiant Bank sein darf, wie das geplant ist. Eine andere Personalie dagegen hat sich mit den gestern präsentierten Entscheiden erledigt: Wie aus Bankkreisen zu hören ist, hat die Valiant-Gruppe noch im April einen neuen Chef für die Valiant-Bank, den gröss-ten Bereich der Bankengruppe, gesucht. Als Nachfolger des zum Konzernchef aufgerückten Michael Hobmeier. Doch ohne Erfolg. Aufgrund der neuen Struktur hat die Valiant-Gruppe nun aber diese Suche auf Eis gelegt.

 

Spareffekt: 5 bis 7 Millionen

  

Mit diesen strukturellen Anpassungen will Valiant jährlich 5 bis 7 Millionen Franken sparen. Das ist wohl der Hauptgrund, weshalb die Investoren der Valiant-Aktie wohlgesinnt waren. Am Abend schloss die Aktie auf 119.2 Franken und verlor damit mit minus 0,67 Prozent weniger als der Markt insgesamt. Positiv dürften die Investoren auch die Entwicklung des Geschäftsaufwandes in Prozent des Bruttoerfolgs vermerkt haben. Diese sogenannte Cost-Income-Ratio verringerte sich von 57,6 per Ende 2010 auf 56,5 Prozent per Ende Juni 2011. Das Ziel ist ein Wert von 53 Prozent. Der Halbjahresgewinn 2011 beträgt 66 Millionen Franken, 4 Millionen Franken oder 6 Prozent weniger als im ersten Semester 2010. Angesichts der schwierigen Situation auf den Finanzmärkten und vor allem der extrem tiefen Zinsen ist das keine Überraschung. Wenn nicht etwas Aussergewöhnliches passiert, dürfte sich das Jahresergebnis 2011 nach Einschätzung von Finanzchef Rolf Beyeler in der Grössenordnung des Vorjahres bewegen. Wie gestern weiter zu erfahren war, hat Valiant die Vergabe von Krediten bewusst gedrosselt. Dies als Folge des hohen Drucks auf die Margen und einer vorsichtigen Risikopolitik. Dennoch sind die Kundenausleihungen leicht angestiegen. Auch die Kundengelder nahmen leicht um 1 Prozent zu.

 

KOMMENTAR: Wieder wartet Valiant auf die Finma

Es mag seltsam erscheinen, dass eine Bankengruppe Jahr für Jahr neue Geschäftsstellen eröffnet, nur um dann im Handstreich gleich wieder zehn Filialen zu schliessen. Doch überraschend ist das nicht. Auf jede Wachstumsphase folgt eine Periode der Konsolidierung. Und wenn Valiant in dieser Periode jede einzelne Filiale auf ihre Rentabilität und Zweckmässigkeit überprüft, so ist das die logische Konsequenz der früheren Wachstumsphase und keineswegs aussergewöhnlich. Aussergewöhnlich sind eher die langen Fristen bei der Finanzmarktaufsicht. Nachdem der Kurs der Valiant-Aktie im Oktober letzten Jahres innert Stunden in die Tiefe gesackt

war, hat die Valiant Holding die Finma gebeten, den Handel in Valiant-Aktien zu untersuchen. Zu untersuchen war insbesondere die Frage, weshalb die Aktie vor dem Absturz entgegen dem Markttrend eine derart stabile Entwicklung hinlegen konnte. Doch das Resultat der Finma lässt immer noch auf sich warten. So können wir bloss hoffen, dass sich zumindest das Genehmigungsverfahren für die neue Bankenstruktur nicht derart in die Länge zieht und die Valiant-Spitze den Umbau ihrer Bank bald an die Hand nehmen kann.

 

Erschienen in der BZ am 20. August 2011


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Claude Chatelain