Vierte Säule: Manchmal treffen Prognosen tatsächlich ins Schwarze

Toni Knecht traf ins Schwarze.
Toni Knecht traf ins Schwarze.

Es gibt Leute, die nach einer starken Kurskorrektur frohlocken: «Ich hab es ja schon immer gesagt.» Es gibt aber auch Leute, die die Hiobsbotschaften nicht nur mündlich verkündet, sondern publiziert haben. Toni Knecht, Leiter Private Banking der SB Saanen Bank, zählt zu dieser Spezies.

Zu den Aussichten des Euros schrieb er am 8. Februar 2011 auf dieser Seite: «An Finanzmärkten wird sich herauskristallisieren, dass die Schulden von Griechenland und Irland im Gesamtumfang von 300 Milliarden nicht ganz werden zurückbezahlt werden können. Dies wird spätestens Ende Juni zu einem weiteren Härtetest für den Euro führen. Obwohl wir heute den Euro im handelsgewichteten Aussenwert für rund 13 Prozent unterbewertet halten, könnte kurzfristig im Sog dieser Szenarien sogar ein Niveau von Fr. 1.10 unterschritten werden.»

 

Chapeau. Damit hat Toni Knecht ins Schwarze getroffen, denn vor einem halben Jahr war das noch eine ziemlich kühne Einschätzung. Gleichzeitig weise ich darauf hin, dass auch von der Korrektur an den Aktienmärkten gewarnt wurde – auch dies schriftlich. Anfang Jahr wurde nämlich ziemlich viel Optimismus versprüht. Börsianer wähnten sich «vor einem goldenen Zeitalter der Aktie». So und ähnlich lauteten die Schlagzeilen. Bezugnehmend auf diese Schlagzeilen war am 4. Januar in dieser Spalte zu lesen: «Es macht den Anschein, als ob die horrende Verschuldung Japans, der USA und des Euroraums auf dem Radarschirm der Analysten gar nicht aufleuchtet. (…) So kann es nicht immer weitergehen. Früher oder später werden die Besitzer von Staatsanleihen auf einen Teil ihrer Forderung verzichten müssen. Das wird nicht nur die Banken treffen, sondern auch Grossunternehmen und Sozialversicherungen. Dies wiederum wird die Gewinne schmälern, was unweigerlich die Aktienkurse in die Tiefe zieht. Und wenn die Geschichte ein guter Ratgeber ist, werden die Analysten ihre optimistischen Gewinnschätzungen erst dann anpassen, wenn die Kurse schon gefallen sind. » Wer ist der Autor dieser Botschaft? Naja. Lassen wir das. Das wäre dann doch zu viel des Eigenlobs.

 

Erschienen in der BZ am 9. August 2011

Claude Chatelain