Vierte Säule: Über einen EL-Betrüger

Eigentlich meinte es der 80-jährige Mann ganz gut. Er hörte von der Steueramnestie und dachte sich: «Gute Gelegenheit, das über die Jahre angehäufte schwarze Vermögen von über einer Million Franken reinzuwaschen.»

So musste der Mann die hinterzogenen Steuern wohl nachzahlen; doch von einer Busse ist er befreit. So will es die Amnestie. Dummerweise hat der betagte Mann vergessen, dass die Amnestie nur fürs Steuerrecht gilt. Der Millionär hat nämlich in früheren Jahren nicht nur Steuern hinterzogen, sondern auch Ergänzungsleistungen bezogen.

 

Nachdem er nun dank der Steueramnestie das schwarze Geld deklariert hatte, hat der 80-Jährige das Gesuch um Ergänzungsleistungen erneuert. Dabei hat er das früher unversteuerte Vermögen im Gesuch diesmal fein säuberlich aufgeführt. Er hat wohl vergessen, dass Millionäre keinen Anspruch auf Ergänzungsleistungen haben. Die Ausgleichskasse des Kantons Bern hat nicht nur das Gesuch abgelehnt; sie hat auch die bisher bezahlten Ergänzungsleistungen von insgesamt 170 000 Franken zurückgefordert. Der Mann hat den Betrag bereits anstandslos bezahlt, wie ich aus guter Quelle erfahren durfte. Um allem die Krone aufzusetzen, hat er nun auch noch eine Klage wegen Betrugs am Hals. – Alter schützt vor Torheit nicht.

 

Erschienen in der BZ am 12. Juli 2011

Claude Chatelain