Vierte Säule: Eigenmittelquoten sind manipulierbar

In der Debatte zur Bankenregulierung «Too big to fail» ist bloss von der Stärkung der Eigenmittel die Rede.

Nicht nur im Inland, auch auf der internationalen Bühne sind nur die Kapitalvorschriften im Fokus, so auch bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).

 

Im Zentrum des Interesses steht in der Schweiz die Schlüsselzahl von 19 Prozent. Folgende Frage drängt sich auf: Genügen die 19 Prozent, damit eine Bank wie die UBS nicht wieder durch den Staat gerettet werden muss? Oder müssten die Eigenmittel noch höher sein? Oder genügte auch weniger Kapital? Es gibt nur eine richtige Antwort: Man weiss es nicht.

 

Man weiss aber, dass die Berechnung dieser Eigenmittelquote manipulierbar ist, was auch Peter Siegenthaler, der Präsident der Expertenkommission und frühere Direktor der Finanzverwaltung, an einem Podiumsgespräch an der Uni Bern einräumte. Um die Eigenmittelquote zu berechnen, müssen die Aktiven, namentlich die ausstehenden Kredite und Forderungen, aufgrund des Ausfallrisikos gewichtet werden. Die Banken werden der Versuchung erliegen, das Risiko eher zu tief zu gewichten, sodass die Eigenmittelquote höher ausfällt. Und die Aufsichtsbehörden werden auch vor der nächsten Krise nicht in der Lage sein, das Risiko verlässlich einzuschätzen.

 

Das war schon in der zurückliegenden Finanzkrise das Hauptproblem. Auch damals waren die Aufsichtsbehörden wie übrigens auch die Ratingagenturen heillos überfordert. Kommt hinzu, dass sich Risiken auf der Zeitachse sehr schnell verschlechtern können. Auch das hat die vergangene Bankenkrise gezeigt.

 

Es ist falsch, sich nur auf diese manipulierbare und unscharfe Eigenmittelquote zu konzentrieren. Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf sagte in der Ständeratsdebatte: «Es geht nicht in erster Linie um die beiden Grossbanken, es geht um den Wirtschaftsplatz Schweiz.» Lassen wir doch die Diskussion über die fragliche Eigenmittelunterlegung. Konzentrieren wir uns doch lieber auf Modelle, die die systemrelevanten Teile sichern können, wenn eine Grossbank zugrunde geht.

 

Erschienen in der BZ am 5. Juli 2011

Claude Chatelain