Typon zahlt üppige Dividenden

Das Typon-Gebäude in Krauchthal.
Das Typon-Gebäude in Krauchthal.

Die Bergbahnen Meiringen-Hasliberg und die Firma Typon in Burgdorf sind die Verlierer des zweiten Quartals 2011. Wobei sich die Aktionäre der Typon trotzdem freuen können.

Kaufe in der Baisse; verkaufe in der Hausse. Soll man getreu diesem Motto Aktien der Bergbahnen Meiringen-Hasliberg kaufen, welche im eben abgelaufenen zweiten Quartal von 17.90 auf 5 Franken sackten? Fritz Ruprecht warnt davor. «Die Aktien sind High Risk», sagt der Inhaber der Firma Helveticstar, die sich auf ausserbörsliche Werte spezialisiert. Das Bahnunternehmen befinde sich in Nachlassstundung, deshalb sei die Wahrscheinlichkeit gross, dass die Gläubigergemeinschaft dem Verkauf der Infrastruktur zustimmen werde und die bestehende Gesellschaft liquidiert werde. In diesem Fall gingen die Aktionäre leer aus. Wer heute Aktien der Meiringen-Hasliberg-Bahn kaufe, gehe davon aus, dass sich das Unternehmen aus eigener Kraft oder mithilfe der öffentlichen Hand sanieren könne.

 

Substanzdividende bei Typon

 

Ganz anders die Situation bei der Typon in Burgdorf, die im zurückliegenden Quartal mit einem Kursverlust von 21,7 Prozent ebenfalls am Schluss der Skala zu finden ist: Bei einer oberflächlichen Betrachtung könnte man meinen, die Firma wolle sich langfristig liquidieren. Das zeigt sich an der üppigen Substanzdividende von sagenhaften 600 Franken – und dies bei einen Schlusskurs per Ende 2010 von 1200 Franken. Das ergibt eine Dividendenrendite von 50 Prozent. Laut Verwaltungsratspräsident Rudolf Rentsch besteht jedoch in keiner Weise die Absicht, die Firma zu liquidieren. Vielmehr soll sie redimensioniert werden. Als die Filmproduktion mehr und mehr digitalisiert wurde, ist Typon aus diesem Geschäft ausgestiegen. Die Folgen waren ein substanzieller Personalabbau und die Rückführung der nicht benötigten liquiden Mittel an die Aktionäre in Form von Substanzdividenden. Seit 2005 kumuliert sich die Ausschüttung auf 3250 Franken pro Aktie. Das operative Geschäft wurde mit der Übernahme von zwei Handelsfirmen neu ausgerichtet. Mit der Raymed-Imaging-Gruppe und den gut 40 Vollzeitstellen gehört Typon laut Rudolf Rentsch zu den Marktführern auf dem Gebiet des Handels mit Bild gebenden medizinischen Geräten. Unter Umständen kommen die Typon-Aktionäre auch im kommenden Jahr in den Genuss einer schönen Substanzdividende. Dies hängt davon ab, ob und zu welchen Bedingungen die noch nicht verkaufte zweite Parzelle des Typon-Areals in Burgdorf verkauft werden kann.

Männlichen retour

  

Steile Berg- und Talfahrten macht die Luftseilbahn Wengen-Männlichen nicht nur mit ihren Kabinen; auch bei der Aktie folgen sich Berg- und Talfahrten auf dem Fuss: 2010 kletterte die Aktie um 30 Prozent in die Höhe. Im folgenden Quartal lag der Titel mit minus 25 Prozent am Schluss der Rangliste, nur um im zweiten Quartal 2011 wieder um 14,5 Prozent zuzulegen und an die Tabellenspitze zurückzukehren. Diese Bewegungen sind wegen des dünnen Handels zufälliger Natur und nicht mit betriebswirtschaftlichen Resultaten zu erklären. Die Aktien wurden im zweiten Quartal 2011 nur gerade an drei Tagen gehandelt.

 

 

 

IINFOTHEK

Die Berner Zeitung publiziert alle drei Monate die Kursentwicklung ausgewählter nicht kotierter Berner Aktien. Die Rangliste hat aber teilweise Zufallscharakter, denn nicht alle Aktien werden regelmässig gehandelt. Eine einzige grössere Transaktion kann hohe Kursschwankungen und grosse Verschiebungen in der Rangliste hervorrufen. Weil bei einigen Aktien die letzte

 

 

 

Handänderung mehrere Wochen, wenn nicht Monate zurückliegt, wird hier nicht auf den zuletzt bezahlten Kurs, sondern auf den gestellten Geldkurs abgestellt. Die nicht kotierten Aktien können über die OTC-X, die Handelsplattform der Berner Kantonalbank, gekauft und verkauft werden. Die Webadresse: www.otc-x.ch.


KOTIERTE BERNER WERTE

Seit Ende 2009 wird in diesen Spalten quartalsweise die Kursentwicklung von Berner Aktien aufgeführt. In diesen bisher sieben Vergleichen ist Swatch mit einer Ausnahme immer mindestens auf Platz vier gelandet. Das Inhaberpapier des globalen Uhrenkonzerns hat seit Ende 2008 um 190 Prozent zugelegt.

 

Das kann man von anderen Spitzenreitern gemäss nebenstehender Tabelle nicht behaupten: Der Kurs der Berner Oberland-Bahnen, der letztes Quartal um gut 10 Prozent zulegen konnte, liegt nur leicht über dem Niveau von Ende 2008. Und die Aktien des Büromaterialherstellers Biella-Neher kosteten Ende 2008 sogar 12 800 Franken, 16 Prozent mehr als Ende letzter Woche. Dem PS von Loeb fehlt weiterhin die Fantasie. Er liegt immer noch weit vom historischen Höchstkurs von 340 Franken entfernt.

Ganz anders die Berner Kantonalbank: Ihr Kurs steigt langsam, aber stetig in die Höhe, obschon die Dividendenrendite von gut 2 Prozent nicht überdurchschnittlich ist. Die Thuner Solarfirma Meyer Burger und der Bieler Maschinenkonzern Mikron haben einen Teil ihres im ersten Quartal erzielten zweistelligen Kursgewinns wieder eingebüsst, derweil die BKW Energie AG auch im zweiten Quartal wenig überraschend das Schlusslicht markiert: Die Stromaktie verlor seit Ende 2008 ziemlich genau die Hälfte ihres Werts. Solange grosse Unsicherheiten bestehen über die energiepolitische Zukunft in der Schweiz, werden sich höchstens Spekulanten an diesem Titel vergreifen.

 

Erschienen in der BZ am 5. Juli 2011


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Claude Chatelain