Vierte Säule: Widmer-Schlumpf for (VR-)President

Eveline Widmer-Schlumpf.
Eveline Widmer-Schlumpf.

Der ehemalige Zürcher SP-Regierungsrat Markus Notter erzählte kürzlich in einem originellen Beitrag, wie man ihn in den letzten Monaten seines Wirkens als Regierungsrat fragte, was er eigentlich nachher zu tun gedenke.

«Alle fragen, was ich nachher mache, ich wurde in den letzten 15 Jahren nie gefragt: Was macht eigentlich ein Regierungsrat?», schrieb Notter in der «NZZ am Sonntag». Gleiches könnte Eveline Widmer-Schlumpf widerfahren, sollte sie wegen mangelnder Parteistärke der BDP als Bundesrätin nicht wiedergewählt werden. Auch von ihr werden die Leute wissen wollen, was sie «nachher» machen werde.

 

Selbstverständlich hat Frau Widmer-Schlumpf nicht auf meinen Rat gewartet. Dennoch erlaube ich mir hier, die Hoffnung auszudrücken, dass sie sich bereit erklärt, ihre Dienste der Wirtschaft zur Verfügung zu stellen. Wie man weiss, mangelt es ehemaligen Bundesräten nicht an Angeboten. Insbesondere in Verwaltungsräten sind sie willkommen. Selbst SP-Bundesräte sind mittlerweile im Aufsichtsgremium börsenkotierter Unternehmen gefragt, wie Moritz Leuenberger mit seinem Engagement bei Implenia beweist. Eveline Widmer-Schlumpf wünsche ich mir im Verwaltungsrat einer Grossbank. Man kann ihr vorwerfen, was man will: Fachkompetenz kann man ihr nicht absprechen. Schon als Finanzdirektorin im Kanton Graubünden konnte sie sich über die Kantonsgrenzen hinweg Respekt verschaffen. Dann hatte sie als Bundesrätin die Gelegenheit, die Rettung der UBS zu erklären, als Finanzminister Hans-Rudolf Merz selber gerettet werden musste. Und schliesslich konnte sie als Nachfolgerin von Hans-Rudolf Merz als Finanzministerin mehrmals ihre finanztechnische wie auch juristische Fachkompetenz unter Beweis stellen. Zum letzten Mal vorletzte Woche im Ständerat.

 

Keine Frage: Die Finanzexpertin aus dem Bündnerland würde bei der UBS als Verwaltungsratspräsidentin eine ganz andere Figur abgeben als der heutige Amtsinhaber und frühere FDP-Bundesrat Kaspar Villiger.

 

Erschienen in der BZ am 28. Juni 2011

Claude Chatelain