KPT: Wer wird Nachfolger von Walter Bosch?

Die Tage von Walter Bosch als KPT-Präsident sind gezählt
Die Tage von Walter Bosch als KPT-Präsident sind gezählt

Der Verwaltungsrat der KPT ist strategisch handlungsunfähig, seit die Aufsichtsbehörde gegen drei Führungskräfte ein Verfahren eingeleitet hat. Offen ist, wer KPT-Präsident Walter Bosch ersetzen wird.

 

Gegen Walter Bosch als Verwaltungsratspräsident der KPT läuft schon seit über einem halben Jahr ein Gewährsverfahren der Finanzmarktaufsicht. Sie prüft, ob bei der angestrebten Fusion mit der Sanitas das Versicherungsaufsichtsrecht verletzt wurde. Solche aufsichtsrechtliche Verfahren sollen klären, ob eine Person als Mitglied der Führungsebene Gewähr für eine einwandfreie Geschäftstätigkeit bietet. Nach dem zu urteilen, was bekannt ist, dürfte Bosch zurücktreten, wie immer der Entscheid der Finma ausfallen wird. Wäre die Fusion nach seinem Gusto abgelaufen, hätte er dank eines Mitarbeiteroptionenprogramms über eine Million Franken in den eigenen Sack gewirtschaftet.

Das Anforderungsprofil

 

Doch wer wird Nachfolger von Bosch? Laut Gesundheitsökonom Heinz Locher sollte der neue Verwaltungsratspräsident der KPT folgende Voraussetzungen mitbringen:

Er sollte mit der «culture sanitaire» vertraut sein. Das heisst, er sollte das Gesundheitswesen mit all seinen Mechanismen und Entscheidträgern kennen.

Er sollte integer und fähig sein, einen Verwaltungsrat zu präsidieren.

Er sollte sich im Versicherungsgeschäft auskennen.

Weniger wichtig ist laut Locher der Bezug zur Bundesstadt: «Die KPT hatte als ehemalige Kasse der Angestellten des Bundes und der Transportanstalten schon immer einen Schweizer Fokus» – dies im Unterschied zur Visana.

Simon Schenk
Simon Schenk

Vom bestehenden Verwaltungsrat ist mit einer Ausnahme niemand in Sicht, der diesem Anforderungsprofil genügt:

- Sandra von May-Granelli ist Direktorin der Feusi. Sie hätte kaum die notwendige Zeit, nebenbei noch das strategische Organ der KPT zu führen, zumal sie mit der «culture sanitaire» zu wenig vertraut ist.

- Der pensionierte Willi Morger mit Jahrgang 1943 leitete lange Jahre den Bereich Leistung bei der Suva. Er ist ein erfahrener Versicherungsfachmann, kommt aber angesichts seines vorgerückten Alters nicht infrage.

- SVP-Nationalrat und Eishockeyfachmann Simon Schenk sitzt vor allem wegen seiner politischen Beziehungen im Verwaltungsrat, nicht wegen versicherungstechnischen Know-hows.

 

Bei all diesen Frauen und Männern gilt überdies: «Mitgehangen, mitgefangen.» Sie alle haben die zweifelhaften Machenschaften rund um die Sanitas-Fusion mitzuverantworten. Genauso wie der derzeitige Vize Bernhard Liechti, gegen den ebenfalls ein Gewährsverfahren läuft. Bleibt noch Reto Dahinden, der erst seit Ende 2010 im Verwaltungsrat der KPT sitzt und mit der fragwürdigen Rolle der anderen Verwaltungsräte nichts zu tun hat. Nach seiner Tätigkeit für Swiss Re arbeitete der Ökonom für den Krankenversicherer CSS in Luzern, wo er zuletzt den Bereich Leistungen führte. Heute ist Dahinden im Topmanagement des internationalen Industrieunternehmens Rosen tätig. Nach Einschätzung von Brancheninsidern hätte Dahinden das Zeug dazu, das KPT-Präsidium zu übernehmen. Aufgrund seiner Haupttätigkeit dürfte ihm dies aber zeitlich kaum möglich sein.

Urs Berger, CEO der Mobiliar.
Urs Berger, CEO der Mobiliar.

Urs Berger winkt ab

 

Naheliegender wäre eine aussenstehende Person. Im Vordergrund steht Urs Berger. Der eben erst zum VR-Präsidenten der Mobiliar gewählte Berger war bis vor einem Jahr im Verwaltungsrat der KPT, warf aber das Handtuch. Er wollte das dubiose Vorgehen des Verwaltungsrats nicht mittragen. Doch Berger erklärte auf Anfrage, dass er als VR-Präsident der KPT nicht zur Verfügung steht.

 

Erschienen in der BZ am 27. Juni 2011

Claude Chatelain