KPT und Valiant warten auf längst fälligen Entscheid der Finma

Die Valiant-Bank und die Krankenkasse KPT haben etwas gemeinsam: Sie warten schon lange auf das Resultat des Untersuchungsberichts der Finanzmarktaufsicht.

Es ist nicht Aufgabe einer Aufsichtsbehörde, sich beliebt zu machen. Doch wenn ein Unternehmen wegen langwieriger Abklärungen der Finma praktisch handlungsunfähig ist und keine strategischen Entscheidungen fällen kann, so ist das nicht im öffentlichen Interesse. Sehnlichst auf einen Entscheid der obersten Hüter wartet die Valiant-Bank. Überfällig ist ein Entscheid auch in der Causa KPT.

 

KPT: Unfreiwilliges Verfahren

 

Mitte Dezember leitete die Finma gegen den KPT-Verwaltungsratspräsidenten Walter Bosch, dessen Vize Bernhard Liechti sowie CEO Christoph Bangerter ein Gewährsverfahren ein und erklärte, das Verfahren bis spätestens Ende März abzuschliessen. Solche aufsichtsrechtliche Verfahren sollen klären, ob eine Person als Mitglied der Führungsebene Gewähr für eine einwandfreie Geschäftstätigkeit bietet. Mögliche Folgen könnte das Verbot einer Tätigkeit in leitender Stellung sein (siehe Kasten).

 

Auf die Frage, weshalb das Verfahren Ende April immer noch nicht abgeschlossen sei, erwiderte damals Manfred Hüsler vom Finma-Generalsekretariat. «Es hat sich gegenüber dem ursprünglich angekündigten Fahrplan verzögert.» Zum einen, weil bezüglich der Gewährsfragen mehrere Einzelpersonen und ihre Anwälte involviert seien. Zum anderen, weil die zu klärenden Fragen «komplex und technisch anforderungsreich» seien. Mittlerweile sind zwei weitere Monate vergangen. In der Tat haben die ins Visier genommenen Verantwortlichen Anwälte beigezogen, die das ganze Verfahren verzögern. Angesichts des bekannten Sachverhalts lässt sich die Verschleppung dennoch nicht erklären. «Der KPT-Verwaltungsrat ist in seiner strategischen Handlungsfreiheit gelähmt», erklärt der Berner Gesundheitsökonom Heinz Locher. Schliesslich ist damit zu rechnen, dass Bosch und Liechti freiwillig oder unfreiwillig ihren Job bei der KPT an den Nagel hängen.

 

Valiant: Verfahren freiwillig

 

Auch die Valiant hätte wohl gerne eine Antwort von der Behörde, auch wenn sie offiziell keinerlei Kritik ausübt. An der Generalversammlung vom 20. Mai mussten die Aktionäre dem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung Decharge erteilen, ohne Kenntnis des Finma-Berichts zu haben. Am gleichen Abend kündigte VR-Präsident Kurt Streit an, gegen einen strategischen Partner nicht abgeneigt zu sein. Ein solcher lässt sich kaum finden, solange das Resultat der Untersuchung nicht bekannt ist.

 

Unbequeme Entscheide

 

Inoffiziell ist von verschiedenen Quellen zu hören, dass sich die Finma mit unbequemen Entscheiden schwertut. Ausserdem arbeite sie aufwendiger als nötig. Sie verlange tonnenweise Material, das zur Entscheidfindung gar nicht nötig sei. Offiziell will niemand die Finma anschwärzen. Verständlich: Mit der Aufsichtsbehörde will man es sich nicht verderben. Mit diesen Vorwürfen konfrontiert, erklärt Finma-Sprecher Tobias Lux, dass man sich zu anonymen Aussagen nicht äussere. «Ganz generell ist die Finma bestrebt, alle ihre Verfahren konzentriert zu führen, sie rasch abzuschliessen und entsprechend nichts zu untersuchen, was nicht relevant

 

 

Der Fall der KPT

Als die KPT am 10. Mai 2010 ihre Fusion mit der Sanitas verkündete, war keine Rede davon, dass Mitarbeiter und insbesondere Verwaltungsrat und Management dank diesem Deal zu einem üppigen Geldsegen kommen würden. VR-Präsident Walter Bosch versuchte diese unappetitliche Chose unter dem Deckel zu halten. Der Geldsegen ist einem Mitarbeiteroptionenprogramm für die Zusatzversicherung zu verdanken. Zu 28 bis 40 Franken konnten Mitarbeiter Aktien zeichnen; zu 600 Franken wollte man von ihnen die Aktien wieder zurückkaufen. Mitglieder der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrats hätten mit diesem Klimmzug auf Kosten der Versicherten über eine Million Franken verdient. Dabei wurden auch dann noch Aktien zu 40 Franken verkauft, als die Fusionsverhandlungen mit der Sanitas schon im Gang waren.

Der Fall der Valiant

Die Valiant-Aktie schien jahrelang gegen jegliche Unbilden immun zu sein. Selbst die Finanzmarktkrise vermochte der Aktie nichts anzuhaben. Für Valiant war das ein Segen, brauchte sie doch den hohen Aktienkurs als Akquisitionswährung. Dann plötzlich verlor die Aktie in drei Tagen 20 Prozent ihres Werts. In jenen Tagen erschien eine kritische Studie der Bank Vontobel, in welcher das Kursziel um 20 Prozent unter dem aktuellen Kurs von 200 Franken beziffert wurde. Beobachter fragten sich, wie es möglich sei, dass die Aktie jahrelang derart entgegen dem Trend notiere. «Die Gründe für die seltsame Kursentwicklung sind stets im Dunkeln geblieben», schrieb die «Finanz und Wirtschaft». Vor diesem Hintergrund hat die Valiant Holding am 27. Oktober 2010 die Finma schriftlich gebeten, den Handel in Valiant-Aktien zu untersuchen.

 

Erschienen am 22. Juni 2011


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Claude Chatelain