Die Suva senkt erneut die Prämien

Suva-Plakat
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Wie schon fürs laufende Jahr wird die Suva auch für 2012 die Prämien senken können, diesmal um 7 Prozent. Und diesmal nicht nur für Berufs-, sondern auch für Nichtberufsunfälle.

«Wir haben ein ausgezeichnetes Jahr hinter uns», sagte gestern Suva-Direktor Ulrich Fricker an der Medienkonferenz in Luzern. «Wesentlich zum guten Ergebnis beigetragen haben rückläufige Versicherungskosten, vor allem dank der nochmals gesunkenen Anzahl der neuen Invalidenrenten.»

 

535 Millionen Franken zahlte die Suva im vergangenen Jahr für Invalidenrenten: 2003 lag dieser Wert noch bei gut einer Milliarde Franken, fast doppelt so hoch. Weil die halbstaatliche Unfallversicherungsanstalt auch finanziell gut aufgestellt ist, wird der Teilmonopolist im kommenden Jahr zum fünften Mal in Folge die Prämie senken können. Für 2011 betrug die durchschnittliche Prämienreduktion 3 Prozent – und sie betraf nur die Berufsunfallversicherung. Doch im kommenden Jahr sinken die Prämien um durchschnittlich 7 Prozent – und dies sowohl in der Berufs- wie auch in der Nichtberufsunfallversicherung. Im Bereich Berufsunfall merken Arbeitnehmer nichts von der Reduktion, umso mehr aber die Arbeitgeber. Anders bei der Nichtberufsunfallversicherung: Diese wird häufig auf den Arbeitnehmer überwälzt. Wobei sich auch hier der Effekt der Prämienreduktion in Grenzen hält. Er beträgt pro Monat ein paar wenige Franken.

 

Mehr Unfälle trotz Prävention

 

Einen hohen Stellenwert bei der Suva geniesst die Prävention. Da passt es nicht ins Bild, wenn die Berufsunfälle um fast 4 Prozent zunehmen, wie das im letzten Jahr der Fall gewesen ist. Ulrich Fricker begründete diese unerfreuliche Zunahme mit dem «arbeitgeberfreundlichen Jahr 2010». Viele Feiertage fielen aufs Wochenende, sodass insgesamt mehr gearbeitet wurde. Und dass die Prämieneinnahmen trotz abnehmender Durchschnittsprämie um 2 Prozent gestiegen sind, erklärt Fricker mit der Hochkonjunktur im Baugewerbe, welches risikobedingt die höchsten Prämien bezahlt.

 

Hoher Deckungsgrad

 

Auch der Finanzchef Ernst Mäder befindet sich in einer komfortablen Lage. Pensionskassenverwalter werden ihn um den Deckungsgrad von 122,5 Prozent beneiden. Manche unter ihnen wären bereits froh, sie kämen auf 100 Prozent. Viele Pensionskassen haben 115 Prozent als Zielwert definiert; bei der Suva liegt dieser bei 116 bis 117 Prozent. Dennoch will die Suva laut Ernst Mäder ihre Schwankungsreserven erst ab einem Deckungsgrad von 126 Prozent den Versicherten in Form von Prämiensenkungen zukommen lassen. Beneidet wird der Finanzchef auch wegen der im vergangenen Jahr erzielten Performance auf dem Anlagevermögen: plus 5,6 Prozent. Bei einem Vergleich von Pensionskassen im Kanton Bern, der in dieser Zeitung am 10. Mai publiziert wurde, kam nur die Publica mit 5,16 Prozent auf einen ähnlich hohen Wert. Die Bernische Pensionskasse (BPK), dies zum Vergleich, erzielte in der gleichen Zeitspanne 1,23 Prozent.

 

 

 

Präventionskampagne Velohelm

Kinder bis zum 14. Altersjahr sollen einen Helm tragen müssen. Dies entschied der Ständerat am Donnerstag. Auch bei der Suva ist der Velohelm in ihrer Präventionskampagne ein Dauerthema. Gerade auf kurzen Strecken innerorts würden viele Leute, zum Teil aus Rücksicht zur Frisur, auf den Helm verzichten, sagte gestern Suva-Direktor Ulrich Fricker. Nur 40 Prozent der Velofahrer sind mit einem Helm unterwegs, obschon jährlich mehr als 1500 Velofahrer bei Unglücken Schädel-Hirn-Verletzungen erleiden. Künftig will die Suva ihre Kampagne vom Helmtragen aufs Fahrverhalten

verlagern und zeigen, wie man sich im Kreisel, wo viele Unfälle passieren, richtig verhält. Ski- und Snowboardfahrer sind einfacher vom Nutzen der Helme zu überzeugen. Hier ist die Helmtragquote zunehmend. Das ist weiter nicht überraschend: Erstens sieht man mit Skihelmen weniger bekloppt aus; zweitens schützen sie vor Kälte, und drittens vermitteln sie das subjektive Gefühl, der Kopf sei dadurch auch wirklich geschützt. Attribute, die dem Velohelm nur bedingt zugeschrieben werden können.

 

Erschienen in der BZ am 18. Juni 2011


Claude Chatelain