Vierte Säule: Zum steuerbefreiten Sparmodell für angehende Väter

Vorbildlicher Vater: Er nahm nach der Geburt Ferien.
Vorbildlicher Vater: Er nahm nach der Geburt Ferien.

Neben dem Atomausstieg, dem Abzockertum und der Zuwanderung feiert noch ein weiteres Thema im Parlament Hochkonjunktur: die Vaterschaft.

Das Ziel besteht darin, dem viel beschäftigten Mann die Möglichkeit zu geben, seine Vaterpflichten zu erfüllen – vor allem nach der Geburt des Kindes. Die einen möchten ein paar freie Tage nach Geburt gesetzlich verankern, andere sogar einen Vaterschaftsurlaub wie in skandinavischen Ländern einführen.

 

Man erinnert sich: Vergangene Woche ist ein weiterer Vorschlag vorgestellt worden, den man laut NZZ «kaum ernst nähme, wenn er nicht von einem überparteilichen Komitee aus Parlamentariern von SVP, FDP, CVP, SP und Grünen unterstützt würde». Die überparteiliche Gruppe will ein steuerbefreites Sparmodell für angehende Väter einführen, damit der gestresste Vater das Pensum vorübergehend reduzieren kann, sobald das Kind auf der Welt ist. Und dies, ohne finanzielle Einbussen in Kauf zu nehmen. Wenn Väter nach der Geburt des Kindes im Job weiterhin Vollgas geben, erfolgt das nach meiner Beobachtung häufig nicht aus finanziellen Gründen, sondern weil sie es so wollen. Entweder machen sie es, weil sie befürchten, im Rennen um Karrierenplätze abgehängt zu werden. Oder sie tun es, weil sie glauben, der Arbeitgeber missbillige vorübergehende Reduktionen des Pensums. Oder sie tun es, weil es ihnen stinkt, stinkende Windeln zu wechseln. Deshalb finde ich den Vaterschaftsurlaub analog zum gesetzlich verankerten Mutterschaftsurlaub unnötig.

 

Für mich war immer klar, dass ich nach der Geburt der beiden Kinder meine Ferien beziehe. Wann sonst hätte ich die Ferien nehmen sollen? Mit dem Kleinkind zu verreisen, ist eh nicht unterhaltsam, nicht für die Eltern und auch nicht für die Nachbarn im Hotelzimmer oder auf dem Zeltplatz. Blicken wir doch voraus: Mehr gedient als mit einem Vaterschaftsurlaub wäre den Vätern, wenn ihnen im Scheidungsrecht die gleichen Chancen und Rechte eingeräumt würden wie den Müttern.

 

Erschienen in der BZ vom 7. Juni 2011

Claude Chatelain