"Ich bin eher ein Bulle"

Cédric de Fonclare ist von Morningstar und «Cash» zum Fondsmanager des Jahres 2011 gekürt worden.
Cédric de Fonclare ist von Morningstar und «Cash» zum Fondsmanager des Jahres 2011 gekürt worden.

Der Schweizer Aktienmarkt verfüge über eine reichhaltige Sammlung von Perlen. Das meint der von Morningstar gekürte Fondsmanager des Jahres 2011. Geberit ist nur eine davon.

 

Herr de Fonclare, sind Sie ein Bulle oder ein Bär?

Cédric de Fonclare: Ich bin eher ein Bulle, also einer, der auf höhere Aktienkurse setzt.

Als Fondsmanager müssen Sie ja auf höhere Kurse setzen.

Es kommt auf die Strategie an: Wer nur die makroökonomische Seite betrachtet, ist nicht immer nur bullish, manchmal auch bearish. Ich setze auf Stock Picking, also auf das gezielte Herauspflücken vielversprechender Aktien. Es gibt immer Aktien mit einem überdurchschnittlichen Kurspotenzial.

 

Können Sie welche nennen? 

Gerade der Schweizer Markt hat eine grosse Sammlung von Perlen. Geberit ist auf seinem Gebiet weltweit ein Marktführer – und das in einem wachsenden Markt. Weitere Favoriten sind Lindt, Sika, Julius Bär, Nobel Biocare, Sonova, Société Générale. All das sind globale Marktleader, welche durch volkswirtschaftliche Einbrüche nicht so sehr tangiert würden.

 

Sie nannten Julius Bär. Was halten Sie von Valiant?

Um ehrlich zu sein, diesen Titel kenne ich nicht?

 

UBS?

Ich investiere nicht in Investmentbanken. Das Emissionsgeschäft festverzinslicher Anlagen ist nicht mehr interessant.

 

Laut Medienberichten will die UBS das Investmentbanking verkaufen.

Wenn es so weit kommen sollte, werde ich den Titel näher anschauen. Derzeit ist die UBS für mich kein Thema.

 

Die Credit Suisse demnach auch nicht? 

Von Credit Suisse haben wir im Fonds «Jupiter European Special Situations» einen kleinen Anteil. 

Cédric de Fonclare: "Das Schlimmste, was der westlichen Welt passieren könnte, ist ein starkes Ansteigen der Zinsen."
Cédric de Fonclare: "Das Schlimmste, was der westlichen Welt passieren könnte, ist ein starkes Ansteigen der Zinsen."

Warum sind Sie generell so optimistisch?

Wenn irgendwo eine Inflation droht, dann in Asien und in den aufstrebenden Märkten, den so genannten Emerging Markets. Glücklicherweise wird dort das Geld knapp gehalten. Das wird die Inflation und das Wachstum abbremsen und damit die Gefahr eines Kollapses verhindern. Das wiederum wird das Inflationsrisiko auch in der westlichen Welt verkleinern. Das Schlimmste, was der westlichen Welt passieren könnte, ist ein starkes Ansteigen der Zinsen.

 

Das passiert doch gerade jetzt? 

Die Zinsen steigen nur leicht auf ein gesundes Mass. Schlecht wären exorbitante Zinssteigerungen. Damit ist aber nicht zu rechnen. Der Arbeitsmarkt ist keineswegs überhitzt, was einen Druck auf Löhne und Preise ausüben könnte.

 

Machen Sie sich keine Sorgen über die riesige Verschuldung Japans, Europas und der USA?

Doch, das Verschuldungsproblem wird nicht so schnell gelöst werden können. Einzig die Politiker könnten es lösen. Sie sind aber kaum in der Lage dazu, schliesslich wollen sie wiedergewählt werden.

 

Werden nicht letztlich die Unternehmen die Zeche zahlen müssen? Private können kaum noch stärker geschröpft werden.

Das könnte sehr wohl der Fall sein, und hier setzt eben das Stock Picking ein. Denken Sie an Unternehmen im Energie- und Infrastrukturbereich oder an Telekomfirmen. Diese sind stark reguliert, sehr kapitalintensiv und an den Standort gebunden. Sie können nicht einfach das Land verlassen. Solche Firmen können sehr wohl mit verschiedenen Abgaben zur Kasse gebeten werden. Solche Firmen sind für Aktionäre aktuell nicht interessant.

 

Wie kann ein erst 37-Jähriger für seine langjährige Erfahrung zum «Fondsmanager des Jahres» gekürt werden? 

Well, ich habe schon mit 15 Jahren angefangen … im Ernst: Massgebend ist, wie viele Jahre der Erfolgsausweis umfasst. Und ich bin seit elf Jahren ununterbrochen für die Jupiter Asset Managment in London tätig, eine der führenden Fonds-Boutiquen in Grossbritannien. Ich bin unter anderem verantwortlich für den Jupiter European Opportunities und den Jupiter European Special Situations. In all den Jahren ist es mir und meinem Team gelungen, das von mir verwaltete Vermögen auf ein Volumen von 1,3 Milliarden Euro zu steigern. Das schafft Vertrauen. 

ZUR PERSON

Cédric de Fonclare ist von Morningstar und «Cash» zum Fondsmanager des Jahres 2011 gekürt worden – dies trotz seiner erst 37 Jahren für seine langjährige Leistung. Die Begründung von Morningstar: «Cédric de Fonclare ist sehr erfahren und hat ein gutes Gespür für Aktien. Er geht pragmatisch an die Aktienselektion heran. Fonclares Anlagestil hat sich in unterschiedlichen Marktphasen bewährt.» 2010 erzielte der «Jupiter

European Special Situations» eine Rendite von 16 Prozent, womit er zu den besten 20 Prozent der Kategorie «Aktien Europa ohne Grossbritannien Standardwerte» zählte. Im Krisenjahr 2008 verlor der Fonds weniger als 85 Prozent seiner Konkurrenten.

 

Erschienen in der BZ am 7. Juni 2011


Claude Chatelain