Je höher die Kosten, desto tiefer die Rendite

Die tatsächlichen Kosten für die Vermögensverwaltung sind viermal höher als die ausgewiesenen. Laut Bundesamt für Sozialversicherungen ist das unbefriedigend.

3,9 Milliarden Franken geben Pensionskassen und Lebensversicherungen allein für die Vermögensverwaltung aus, fast viermal mehr als ausgewiesen und deutlich mehr als für die übrige Verwaltung. «Das ist unbefriedigend», sagt Yves Rossier, Direktor des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV). Er stellte gestern die Studie vor, die die St. Galler Beratungsfirma C-alm, im Auftrag des BSV erstellt hat.

 

BSV-Direktor Yves Rossier ist nicht zufrieden.
BSV-Direktor Yves Rossier ist nicht zufrieden.

Hedgefonds unter Beschuss

 

Die Pensionskassen sind wegen ihrer Verwaltungskosten wiederholt unter Beschuss geraten. Auch in der Abstimmung vom 7. März 2010, als der Schweizer Souverän die Senkung des gesetzlichen Umwandlungssatzes in der beruflichen Vorsorge verworfen hat, waren insbesondere die angeblich zu hohen Vermögensverwaltungskosten Teil der Debatte. Ins Schussfeld gerieten hauptsächlich die hohen Kosten für Hedgefonds und andere alternative, wenig durchsichtige Finanzinstrumente. Diesem Malaise wollte das BSV auf den Grund gehen. So hat die St. Galler Beratungsfirma nicht nur die ausgewiesen Aufwendungen für die Beratung, sondern auch die in den Produkten versteckten Kosten erhoben. Zu denken sei an die Kosten, die innerhalb eines Fonds anfallen und damit die Rendite schmälern. Dabei zeigte sich, dass gerade in den viel gescholtenen alternativen Anlagen überdurchschnittlich hohe Kosten versteckt sind.

 

0,15 bis 1,86 Prozent

 

Auffallend in der Studie sind dabei die enormen Unterschiede unter den 73 untersuchten Vorsorgeeinrichtungen. Die Vermögensverwaltungskosten liegen zwischen 0,15 und 1,86 Prozent des Kapitals. Hochgerechnet auf alle Vorsorgeeinrichtungen ergibt das einen Durchschnitt von 0,56 Prozent auf einem Gesamtvermögen von 698 Milliarden Franken. Der Versicherte wird sich sagen, dass ihm die Kosten egal sein können, solange die Rendite stimmt. Erfolgreiche Berater kosteten Geld. Und auch gute Produkte hätten ihren Preis. Doch die Studie widerlegt diese Annahmen. «Je höher die Kosten für die Vermögensanlage waren, desto tiefer war die Nettorendite», konstatierte gestern BSV-Direktor Yves Rossier. Er erhofft sich nun, dass die Pensionskassen vermehrt auch die bisher versteckten Kosten erheben, was das Kostenbewusstsein stärken würde. Seine Hoffnung ist berechtigt: Das Interesse der Pensionskassen scheint in der Tat sehr hoch zu sein. Für eine repräsentative Studie hätten 50 Vorsorgeeinrichtungen genügt. Es wollten aber 73 mitmachen und von den neuen Erkenntnissen unmittelbar profitieren.

 

Erschienen in der BZ am 31. Mai 2011

Claude Chatelain