Peter Siegenthalers kurzes Gastspiel

Peter Siegenthaler.
Peter Siegenthaler.

Peter Siegenthaler tritt als Präsident des Kantonalbanken-Verbands zurück. Offiziell wegen der zeitlichen Belastung. Der inoffizielle Grund könnte seine Doppelrolle sein.

 

Wenn von Peter Siegenthaler die Rede ist, dann in seiner Funktion als Präsident der inzwischen aufgelösten Expertenkommission «Too big to fail». Eher selten tritt er als Präsident des Verbands Schweizerischer Kantonalbanken (VSKB) auf. Und wenn Siegenthaler über die Rolle der Kantonalbanken bei einem allfälligen Ausfall einer Grossbank Auskunft geben sollte, so lehnt er Interviewwünsche ab.

Diese Doppelrolle könnte wohl der wahre Grund sein, weshalb der ehemalige Spitzenbeamte nach nur einem Jahr als Verbandsdirektor den Bettel hinschmeissen will. Peter Siegenthaler gibt einen anderen Grund an: «Vor einem Jahr trat ich als Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung zurück, um beruflich etwas kürzerzutreten. Aus diesem Wunsch wurde leider nichts, weil die Tätigkeit als VSKB-Präsident schon bald erheblich mehr Zeit in Anspruch nahm, als beim Amtsantritt absehbar war», begründete gestern Peter Siegenthaler an der Generalversammlung des VSKB in Schaffhausen seinen Rücktritt. Deshalb habe er sich nach reiflicher Überlegung entschieden, das Amt zur Verfügung zu stellen. Er wird bis zur Wahl seines Nachfolgers im Amt bleiben, längstens bis Ende 2011.

 

Suboptimale Doppelrolle

 

Der Verwaltungsrat bedauert den Entscheid Siegenthalers. Doch die Doppelrolle des «Too big to fail»-Experten ist nicht optimal: Am 14. Juni kommt die Grossbankenregulierung «Too big to fail», die Siegenthaler mit anderen Experten aufgegleist hat, in den Ständerat. Von der Ausgestaltung dieses neuen Gesetzes sind die Kantonalbanken direkt betroffen. Die Regulierung verlangt von den Grossbanken organisatorische Massnahmen, damit die systemrelevanten Funktionen wie Zahlungsverkehr und Kreditgeschäft bei einem Bankenkollaps nicht abstürzen. Bei solchen Massnahmen könnten die Kantonalbanken eine zentrale Rolle spielen: «Im Verbund von allen Banken und Postfinance wäre der Schweizer Finanzplatz in der Lage, beim Ausfall einer Grossbank den Zahlungsverkehr und die gesamte Geldversorgung sicherzustellen», erklärte Postchef Jürg Bucher in einem Interview (Ausgabe vom 24. Mai 2011).

 

Im Weiteren könnte man von den Grossbanken mit wettbewerbspolitischen Massnahmen verlangen, ihren systemrelevanten Teil herunterzufahren, sodass sie nicht mehr too big to fail wären, eben nicht mehr zu gross, um fallen gelassen zu werden. Bei einem solchen Szenario würden die Kantonalbanken unmittelbar profitieren. Doch Peter Siegenthaler kann als Verbandspräsident nur schlecht für eine solche Lösung lobbyieren, wenn er vor allem als neutraler Präsident der Expertenkommission «Too big to fail» wahrgenommen wird.

 

Erschienen in der BZ am 28. Mai 2011

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Claude Chatelain