Kurt Streit besänftigt die Aktionäre

Die Generalversammlung der Valiant ging gestern Abend wider Erwarten mit wenig kritischen Voten über die Bühne.

Wenn sich der Kurs einer Aktie in wenigen Monaten aus dem Nichts praktisch halbiert, so kann etwas nicht stimmen. Und wenn etwas nicht stimmt, sind an einer Aktionärsversammlung unangenehme Fragen und geharnischte Wortmeldungen zu erwarten.

 

Wer solche Erwartungen hegte, wurde gestern an der Generalversammlung der Valiant Holding in Luzern enttäuscht. Nur eine Handvoll Aktionäre gaben kritische Voten ab. Und als ein Aktionär aus Belgien ein zweites Mal zum Podium schritt, wurde er sogar ausgepfiffen, obschon er seinen Standpunkt und die Forderung auf die Verweigerung der Decharcheerteilung sachlich vorgetragen hatte. So wurden Verwaltungsrat und Konzernleitung mit gut 90 Prozent der Stimmen für ihre Tätigkeit im Geschäftsjahr 2010 entlastet.

 

Streit kam schnell zur Sache

 

Verwaltungsratspräsident Kurt Streit redete nicht lange um den heissen Brei. Er ging gestern gleich zu Beginn auf die unglückliche Entwicklung des Aktienkurses ein: «Die Performance unserer Aktie darf gerade uns, die wir für die Führung von Valiant verantwortlich sind, nicht zufrieden stellen». Und wiederholte, was aufmerksame Beobachter schon mitbekommen haben, «dass der Kursrückgang der Valiant-Aktie von vergangenem Oktober für alle Beteiligten überraschend kam – sowohl im Zeitpunkt als auch im Ausmass».

 

Die Frage, wie es zu diesem Vertrauensverlust kommen konnte, vermochte Kurt Streit auch gestern nicht zu beantworten. Immerhin gestand er, dass die Aktie vor dem Kurssturz «im Vergleich zu anderen Bankwerten eher hoch bewertet war».

 

Harte Akquisitionswährung

 

Ein Faktum, das der Bank über all die Jahre zupass kam, führte sie doch dank der überbewerteten Aktie eine harte Akquisitionswährung, mit welcher sie zu günstigen Konditionen diverse Regionalbanken zu übernehmen vermochte. Allein im Jahr 2009 sind vier Banken zur Valiant-Gruppe gestossen: die Obersimmentalische Volksbank, die Bank Jura Laufen, die Spar- und Leihkasse Steffisburg sowie die Caisse d’épargne de Siviriez.

 

Gesucht: Partner

 

Ferner tönte Kurt Streit an, dass ihm ein strategischer Partner, der sich bei Valiant beteiligt, nicht ungelegen käme. Ein solcher könnte bei der Kursentwicklung stabilisierend wirken. Die Aktie ist breit gestreut. «Das ist eine Stärke von Valiant», sagte Streit. Gleichzeitig beinhalte das auch Nachteile, als innert kürzester Frist mehrere 100 000 Valiant-Aktien auf den Markt geworfen wurden, fehlte ein solcher Partner, der im Interesse der Gesellschaft und seiner eigenen Beteiligung als Abnehmer für die Verkäufe hätte auftreten können.

 

Über 90 Prozent Zustimmung

  

Die 1877 anwesenden Aktionärinnen und Aktionäre, welche 28,7 Prozent des Aktienkapitals vertraten, folgten bei allen Anträgen mit über 90 Prozent Ja-Stimmen dem Verwaltungsrat. Das gilt auch für die vorgeschlagene Dividende von unverändert Fr. 3.20. Gemessen am gestrigen Schlusskurs von 120 Franken entspricht das einer Rendite von 2,6 Prozent.

 

Alle Verwaltungsräte wurden einzeln mit um die 95 Prozent Zustimmung wiedergewählt. Neu in den VR gewählt wurde die Verlagsmanagerin Franziska von Weissenfluh, obschon sich ein Luzerner und ehemaliger Aktionär der mit der Valiant fusionierten Luzerner Regiobank darüber beklagte, dass die Luzerner im Verwaltungsrat deutlich untervertreten seien. Doch Kurt Streit hat es verstanden, die Innerschweizer zu besänftigen, indem er die Haslibergerin salopp als Innerschweizerin bezeichnete.

 

Erschienen in der BZ am 24. Mai 2011

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Claude Chatelain