Publica senkt den Umwandlungssatz

Bundesangestellte müssen Renteneinbussen in Kauf nehmen.
Bundesangestellte müssen Renteneinbussen in Kauf nehmen.

Die Pensionskasse des Bundespersonals wird Mitte nächsten Jahres den Umwandlungssatz senken. Dank Begleitmassnahmen werden die Versicherten trotzdem keine Einbussen erleiden.

Die Publica senkt den Umwandlungssatz per Mitte 2012 von 6,53 auf 6,15 Prozent. Für angehende Rentnerinnen und Rentner ist die Senkung zumindest arithmetisch happig: Auf ein Kapital von 500 000 Franken reduzierte sich die jährliche Rente von 32 650 auf 30 750 Franken; das sind 5,8 Prozent. Kaderangestellte mit einem Kapital von einer Million Franken, wie das Kaderangestellte nicht selten ausweisen können, erhielten demnach 61 500 statt 65 300 Franken pro Jahr. Die monatliche Einbusse würde 316 Franken betragen. Sollte der Kadermann 85 Jahre alt werden, summierte sich die Einbusse auf 76 000 Franken.

 

Was meint das Personalamt?

 

Werden aus diesem Grunde altgediente Mitarbeiter vorzeitig den Bettel hinschmeissen? «Zum jetzigen Zeitpunkt ist es uns nicht möglich, irgendwelche Schätzungen zu machen, wie viele Mitarbeitende der Bundesverwaltung aufgrund der Senkung des Umwandlungssatzes per Mitte 2012 ihre Pensionierung vorverschieben werden», erklärt Regula Hochuli vom Eidgenössischen Personalamt (EPA). Eine seltsame Antwort, weil nämlich objektiv betrachtet für angehende Rentner gar kein finanzieller Anreiz besteht, vorzeitig die Bundesverwaltung zu verlassen. «Ich erwarte keinen Torschlusseffekt aufgrund des Grundlagenwechsels, weil die Begleitmassnahmen sehr gut greifen werden», sagt Publica-Direktor Werner Hertzog. Die Publica hat nämlich 576 Millionen Franken Reserven angehäuft, damit die angehenden Rentner keine Rentenkürzung in Kauf nehmen müssen. Ihnen wird mit diesen Millionen das Alterskapital aufgestockt. Mit dem höheren Pensionskassenkapital werden sie damit trotz tieferem Umwandlungssatz auf eine annähernd gleiche Rente kommen, wie wenn der Umwandlungssatz nicht gesenkt würde. Diese Massnahme gilt für Arbeitnehmer, die in den nächsten zehn Jahren pensioniert werden.

 

Höhere Arbeitgeberbeiträge

 

Auch die jüngeren Arbeitskräfte können trotz tieferem Umwandlungssatz mit einer unveränderten Rente rechnen. Ihnen werden die Beiträge um einen Prozentpunkt erhöht, finanziert zum grössten Teil durch den Arbeitgeber. Dank der höheren Beiträge werden sie im Alter auf ein höheres Kapital kommen. Man erinnert sich an die Abstimmung vom 7. März vergangenen Jahres, als die Senkung des gesetzlichen Umwandlungssatzes hochkant verworfen wurde. Die Linken wollten keine Rentenkürzung, und die Bürgerlichen behaupteten, ein Umwandlungssatz von 6,8 Prozent sei nicht finanzierbar. Die Bundespensionskasse Publica zeigt, wie dieser Widerspruch behoben werden kann: Indem die Beiträge erhöht werden.

 

 

 

INFTOTHEK

 Am 7. März 2010 hat das Schweizer Volk die vom Bundesrat vorgeschlagene Senkung des Umwandlungssatzes von 6,8 auf 6,4 Prozent abgelehnt. Wie kommt es, dass die Publica ihrerseits nun den Umwandlungssatz auf 6,15 Prozent senken darf? Die Antwort: Weil die Volksabstimmung nur dem gesetzlichen Mindestumwandlungssatz galt. Nur das im Rahmen des Obligatoriums gesparte Vermögen muss mit einem Satz von 6,8 Prozent in eine Rente umgewandelt werden.

 

Die meisten Kassen, so auch die Publica, haben aber noch überobligatorische Guthaben. Diese entstehen, wenn zum Beispiel der versicherte Lohn oder die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge

höher sind als gesetzlich vorgeschrieben. Die Vorsorgeeinrichtungen können frei entscheiden, zu welchem Satz das überobligatorische Kapital umgewandelt wird. Angenommen, die Publica hätte je 50 Prozent obligatorisches und überobligatorisches Guthaben. Wird nun das obligatorische mit 6,8 Prozent umgewandelt, so beträgt der Umwandlungssatz für den überobligatorischen Teil ab Mitte 2012 lediglich 5,5 Prozent. Genau in der Mitte dieser beiden Prozentzahlen liegt 6,15 Prozent. Somit wird das gesamte Kapital – obligatorisches und überobligatorisches – zu einem Satz von 6,15 Prozent in eine Rente umgewandelt.

 

Erschienen in der BZ am 17. Mai 2011


Claude Chatelain