Berner Pensionskassen im Minus

EineUmfrage bei den staatsnahen Pensionskassen zeigt, dass sich der Deckungsgrad der zwei Pensionskassen des Kantons Bern 2010 verschlechtert hat.

Der Deckungsgrad der Pensionskassen staatlicher und halbstaatlicher Unternehmen im Kanton Bern lag Ende 2010 mehrheitlich unter den geforderten 100 Prozent – Publica und Swisscom sind die löblichen Ausnahmen. Damit sind die Vorsorgeeinrichtungen unterfinanziert und wären nicht in der Lage, sämtlichen Verpflichtungen nachzukommen, sollten diese sofort fällig werden. Doch es liegt in der Natur der Sache, dass die Verpflichtungen der Pensionskassen nicht sofort fällig werden. Und doch ist ein Deckungsgrad von unter 100 Prozent auch kurzfristig problematisch. Christian Kaufmann drückt es so aus: «Bei einem Deckungsgrad von 90 Prozent muss man mit 90 Prozent Kapital 100 Prozent der Verpflichtungen verzinsen.» Kaufmann ist seit 2007 Vizedirektor bei der Bernischen Lehrerversicherungskasse BLVK.

 

100 Prozent reichen nicht

 

Kommt hinzu, dass eigentlich selbst ein Deckungsgrad von 100 Prozent ungenügend ist. Manche Kassen peilen stattdessen 115 Prozent an. Die 15 Prozent sind als Reserven gedacht, um Schwankungen an den Finanzmärkten aufzufangen. Freilich ist der Deckungsgrad nicht das Mass aller Dinge. Eine ebenso wichtige Kennziffer ist der technische Zins. Mit diesem Satz werden künftige Finanzerträge hochgerechnet. Wird die Rendite in Zukunft tiefer ausfallen als der technische Zins, so geht die Rechnung nicht mehr auf. Deshalb sind die meisten Pensionskassen wegen der anhaltend tiefen Finanzmarktrenditen dazu übergegangen, den technischen Zins zu senken – meistens von 4 auf 3,5 Prozent. Das tat auch die BLVK. Aus diesem Grund ist der Deckungsgrad wieder auf unter 80 Prozent gefallen. In der Kasse fehlten damit per Ende 2010 fast 1,4 Milliarden Franken. Das Vermögen beträgt 5,1 Milliarden Franken statt der erforderlichen 6,5 Milliarden. Ende 2009 hatte der Deckungsgrad noch 82,1 Prozent betragen. Der Kasse sind 22 500 Mitglieder angeschlossen.

 

Das zweite Milliardenloch

 

Ebenfalls verschlechtert hat sich die Unterdeckung der anderen Vorsorgeeinrichtung des Kantons, der Bernischen Pensionskasse: Der Deckungsgrad sank von 90,1 auf 88,1 Prozent. Die Unterdeckung beträgt damit fast 1,2 Milliarden Franken. Das verwaltete Vermögen beläuft sich auf 8,7 Milliarden. Der Kasse sind 33 500 Arbeitnehmer und 11 700 Rentner angeschlossen.

 

Ein zentraler Grund für das Sinken des Deckungsgrades war die vergleichsweise tiefe Performance auf den Wertschriften. Auf Anfrage erklärt Anlagechef Hans-Peter Wiedmer, dass die von der BPK realisierte Performance von 1,23 Prozent dem BVG40-Index der Bank Pictet entspricht. Die Kursverluste beim Euro, beim britischen Pfund und beim Dollar hätten dazu geführt, dass die BPK im Vergleich zu Pensionskassen mit einem tieferen Fremdwährungsanteil schlechter abgeschnitten hat. Ausserdem verzichtete die BPK darauf, ihre Fremdwährungspositionen abzusichern, was sich im Nachhinein als Fehler erwies. Hinzu kommt, dass die BPK weniger Liegenschaften besitzt als andere Kassen, sodass sie von den stark gestiegenen Häuserpreisen nicht in gleichem Masse profitieren konnte.

 

Previs: Tiefes Rentnerkapital

 

Die Previs, bei welcher vor allem Gemeinden und andere öffentliche Institutionen im Kanton Bern versichert sind, kalkuliert noch mit einem technischen Zins von 4 Prozent. Ob und wann die Vorsorgeeinrichtung eine Senkung dieses Zinses ins Auge fasst, kann Stefan Muri, Vorsitzender der Geschäftsleitung, nicht sagen. Bei einer Senkung auf 3,5 Prozent dürfte der Deckungsgrad um die 90 Prozent betragen. Dafür kann sich Previs glücklich schätzen, dass der Anteil des Rentnerkapitals unter 40 Prozent liegt. Dass dieser Wert von grosser Bedeutung ist, zeigte die politische Debatte zur Sanierung der Pensionskasse SBB. Hier liegt der Anteil des Rentnerkapitals bei 60 Prozent. Und weil Rentner für die Sanierung der Kasse aus gesetzlichen Gründen nicht herangezogen werden können, ist es für die SBB äusserst schwierig, ihre Kasse aus eigener Kraft zu sanieren. Hier muss nun der Steuerzahler 1,15 Milliarden Franken nachschieben. Die Pensionskasse SBB ist übrigens die einzige der angefragten Kassen, welche die Kennzahlen per Ende 2010 noch unter Verschluss hält.

 

Erschienen in der BZ am 10. Mai 2011

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Claude Chatelain