Die Post pflegt das Eigengewächs

Jürg Bucher stellt seinen Nachfolger Hansruedie Köng vor.
Jürg Bucher stellt seinen Nachfolger Hansruedie Köng vor.

Mit dem bisherigen Finanzchef Hansruedi Köng als neuem Chef der Postfinance setzt der Staatsbetrieb auf Kontinuität.

 

Externe Kandidaten haben häufig die besseren Karten für Führungspositionen. Man erhofft sich von ihnen einen frischen Wind und neue Ideen. Externen Führungskräften traut man eher zu, verkrustete Strukturen aufzubrechen und von fest getrampelten Pfaden abzuweichen. Nicht so bei der Post: «Wir haben nur interne Kandidaten angehört», sagte gestern Verwaltungsratspräsident Peter Hasler bei der Vorstellung von Hansruedi Köng, dem künftigen Chef von Postfinance. Und: «Ich bin überzeugt, wir haben den bestmöglichen Kandidaten gefunden.»

Wer externe Führungskräfte engagiere, habe die Nachwuchsförderung vernachlässigt. Oft würden externe Kandidaten angehört, um Vergleiche mit den internen anstellen zu können, sagte Hasler und stellt die rhetorische Frage: «Warum sollen wir für viel Geld externe Leute suchen, wenn wir intern exzellente Kandidaten haben?»

 

Aus Fehlern gelernt

  

Hasler hat gut reden. Er war nicht dabei, als mit Claude Béglé ein Externer als VR-Präsident der Post angeheuert wurde, der gar allzu frischen Wind und gar allzu neue Ideen einbringen wollte und damit im Staatsbetrieb Schiffbruch erlitt. Béglé versucht es nun als Politiker. Mit dem 45-jährigen Ökonomen aus Zollikofen scheint die Post einen solchen exzellenten Fachmann gefunden zu haben. Köng stiess 2003 als Leiter Tresorerie zu Postfinance. Seit 2007 ist er zusätzlich Leiter Finanzen. Zuvor war der ehemalige Spitzenhandballer bei der Volksbank, der Credit Suisse in Toronto, der Basler Kantonalbank und bei Pricewaterhouse tätig. Er war auch stellvertretender Geschäftsführer der auf Start-ups spezialisierten BVgroup in Bern.

 

Politische Sensibilität

 

Offen ist, ob der ausgewiesene Finanzfachmann auch über die politische Sensibilität verfügt, die der Chef eines staatsnahen Betriebs haben muss. Peter Hasler wies auf eine entsprechende Frage darauf hin, dass Postfinance im kommenden Jahr in eine AG mit einem eigenständigen Verwaltungsrat umgestaltet wird. Im siebenköpfigen Verwaltungsrat werden drei Auswärtige sitzen, die eine politische Nähe mitbringen müssten. Zudem war Köng als Geschäftsleitungsmitglied schon heute bei den politischen Diskussionen dabei.

 

Somit wird der Vater einer Erstklässlerin auf Anfang 2012 die Nachfolge von Jürg Bucher als Leiter von Postfinance antreten und Einsitz in die Konzernleitung der Post nehmen. Bucher seinerseits kann sich dann auf die Konzernleitung der Post konzentrieren, die er voraussichtlich im Sommer 2012 bei Erreichen des Pensionsalter einem noch zu bestimmenden Nachfolger übergeben wird.

 

Hansruedi Köng - ein Handballer

«Hansruedi Köng war Spitzenhandballer», war gestern an der Medienorientierung wiederholt zu hören. In der Tat: Der frühere BSV-Trainer Geri Staudenmann erinnert sich: «Housi Köng kam von Zollikofen und hat sich sofort in die Mannschaft integriert. Er ist immer voll gegangen, nicht nur im Match, auch im Training.» Und weiter: «Köng spielte als Rechtshänder im Rückraum links, auf der Königsposition als Shooter. Ihn zeichnete vor allem sein Sprungwurf aus, weil er über eine enorme

Sprungkraft verfügte.» Und auch wenn Köng nicht immer in der Startformation war, habe er seine Rolle immer auch fair akzeptiert. Später wechselte Köng dann zu Wacker Thun, wo er seine erfolgreichste Zeit als Handballer erlebte und auch zweimal für die Nationalmannschaft aufgeboten wurde.

 

Erschienen in der BZ am 5. Mai 2011


Claude Chatelain