Kaspar Villiger enttäuscht nicht zum ersten Mal

Alt-Bundesrat und Mehrfach-Verwaltungsrat Kaspar Villiger.
Alt-Bundesrat und Mehrfach-Verwaltungsrat Kaspar Villiger.

Politiker von links bis rechts sind enttäuscht von Kaspar Villigers Leistung als Präsident der UBS. Fragt sich bloss, weshalb man in den Alt-Bundesrat darart hohe Erwartungen steckte.

 

Als ehemaliger Finanzminister der Eidgenossenschaft schien Kaspar Villiger wie kein anderer dazu prädestiniert zu sein, gerade in Bundesbern den Ruf der UBS wieder zu verbessern. Auf die Grossbank waren vor allem auch die Parlamentarier schlecht zu sprechen, musste doch der Bund mit hohen Risiken einspringen, um einen Kollaps mit einer verheerender Kettenreaktion zu verhindern.

Villiger verspürt Pflichtgefühl

 

Seine Bereitschaft zur Übernahme des Präsidiums bezeichnete der ehemalige Zigarrenfabrikant als Pflichtgefühl gegenüber dem Land und der Bevölkerung. Doch ausgerechnet Villigers UBS bekämpft die Grossbankenregulierung «Too big to fail» und droht mit dem Wegzug ins Ausland. «Wo aber ist eigentlich Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger?», fragt der Kommentator im «Tages-Anzeiger». Wenn einer Verständnis dafür haben müsste, dass die Schweiz seine Volkswirtschaft gegen das Risiko Grossbanken absichern müsse, dann sei es – sollte man meinen – der ehemalige Vorsteher des Eidgenössischen Finanzdepartements.

 

«Die Profis wissen schon…»

 

Sollte man meinen. Doch schon vor zwei Jahren stiess Villiger mit unglaublichen Worten die Politiker vor den Kopf: «Wir müssen eher aufpassen, dass nicht im politischen Raum von den Laien etwas falsch gemacht wird. Die Profis wissen schon, was zu tun ist», sagte der ehemalige Magistrat in dieser Zeitung. Villiger schien bei seinen Worten vergessen zu haben, dass es die Profis waren, welche die UBS an den Rand des Ruins führten. Und es die «Laien» waren, die die Bank retten mussten.

 

Enttäuscht von links bis rechts

 

Im April 2004 wurde Villiger in den Verwaltungsrat von Nestlé gewählt, nachdem er bereits in den Verwaltungsräten von Swiss Re und NZZ sass. Bei diesen dreien bleibe es, hatte Villiger schon vor der Nestlé-Generalversammlung betont. Manche werden bedauern, dass er nicht Wort gehalten hat. Politiker von links bis rechts lassen kein gutes Haar am FDP-Politiker. «Ich verstehe nicht, dass sich Villiger politisch so wenig sensibel zeigt», meint etwa Villigers Parteikollege Nationalrat Philipp Müller in der «NZZ am Sonntag». Und BDP-Präsident Hans Grunder bedauert: «Unsere Erwartungen in Kaspar Villiger haben sich nicht erfüllt.» Was für Erwartungen? Unklar ist heute, aufgrund welches Leistungsausweises so hohe Erwartungen in Villiger gesteckt wurden. Der Luzerner FDP-Politiker war in jenen Jahren Verwaltungsrat bei Nestlé, als der Nahrungsmittelkonzern wegen des Doppelmandats von Peter Brabeck von allen Seiten heftig kritisiert wurde. Villiger wäre nicht Villiger, hätte er das Doppelmandat nicht verteidigt.

 

«Katastrophale Bilanz»

 

Auch bei Swiss Re sass Villiger in einer der dunkelsten Epoche der Rückversicherungsgesellschaft im Verwaltungsrat: Er hat 2006 die Wahl von Jacques Aigrain als CEO mitzuverantworten, der drei Jahre später gehen musste, nicht ohne einen Scherbenhaufen hinterlassen zu haben. Zudem habe Villiger bei Swiss Re als Mitglied des Risikoausschusses und weiter als Mitglied des Governance-Ausschusses «eine katastrophale Bilanz mitzuverantworten», schrieb am 5. März 2009 die NZZ, die dem FDP-Politiker und «ihrem» Verwaltungsrat sonst wohlgesinnt ist.

 

Ebenfalls als Finanzminister wird der inzwischen 70-jährige Kaspar Villiger nicht als Lichtgestalt in die Geschichte eingehen. In seine Ära fiel das Debakel der Swissair und der Swiss. Dass der Finanzminister die Swissair nicht zu retten vermochte, wird man ihm nicht anlasten können. Und dass mit der Gründung der Swiss Milliarden von Steuergeldern in den Sand gesetzt wurden, entsprach dem politischen Willen von damals und ist ebenfalls nicht die alleinige Schuld des damaligen Finanzministers. Allerdings liefert die Gründung der Swiss auch keinen Grund, sich damit zu brüsten.

 

Doch mindestens einen Leistungsausweis kann man Villiger nicht absprechen: In seiner Zeit als oberster Kassenwart von 1995 bis 2003 stieg die Schuldenlast des Bundeshaushaltes von 82 auf 124 Milliarden Franken. Eine Leistung, die ihm so schnell keiner nachmacht.

 

Erschienen in der BZ am 29. April 2011

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Claude Chatelain