Oswald Grübel gewinnt das Vertrauen zurück

Oswald Grübel
Oswald Grübel

Noch nie seit der Finanzkrise hat die Grossbank UBS so viele Kundengelder anziehen können wie im zurückliegenden Quartal.

 

Wie schon Anfang Februar bei der Bekanntgabe des Jahresergebnisses 2010 kletterten die Aktien der UBS auch bei der gestrigen Publikation des Resultats für das erste Quartal 2011 in die Höhe: plus 5,5 nach Eröffnung; plus 3,9 Prozent bei Börsenschluss.

Auch diesmal ist es der Nettozufluss an Kundengeldern, der die Hoffnungen der Aktionäre schürte. Konnten im vierten Quartal 2010 noch 7,1 Milliarden zusätzliche Kundengelder akquiriert werden, waren es im zurückliegenden Quartal bereits 22,3 Milliarden Franken – viel mehr als erwartet.

 

Skeptische Europäer

 

Zu denken geben muss jedoch, dass im grenzüberschreitenden Verkehr innerhalb Europas weiterhin Kundengelder abfliessen. Der grosse Zufluss findet vor allem in Asien, den Schwellenländern und bei den Superreichen statt. Der Quartalsgewinn von 1,8 Milliarden Franken liegt um 18 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das hat die Aktionäre nicht enttäuscht, weil sie damit gerechnet hatten. Der Gewinnrückgang wird mit der Katastrophe in Japan und den Unruhen in Nordafrika begründet. Unter einer besonderen Beobachtung bei der UBS steht das Investmentbanking, das in der Finanzkrise für die milliardenhohen Verluste gesorgt hatte. Es erzielte im ersten Quartal 2011 einen bescheidenen Vorsteuergewinn von 967 Millionen Franken. Das ist weniger als die 1,19 Milliarden Franken vom Vorjahresquartal. Das zeigt, dass zumindest im Investmentbanking noch einiges im Argen liegt. Vor allem wenn man bedenkt, dass Konzernchef Grübel als mittelfristige Zielsetzung einen Vorsteuergewinn von 15 Milliarden Franken anpeilt, wie er gestern auf Radio DRS wiederholt hat. Ohne üppige Gewinne (und entsprechende Risiken) im Investmentbanking kann dieses Ziel nicht erreicht werden.

 

Kampfzone USA

 

Das Investmentbanking steht auch deshalb unter besonderer Beobachtung, weil nicht wenige politische Kräfte die Grossbanken dazu zwingen möchten, das Investmentbanking abzustossen. Allen voran Christoph Blocher: «Am wichtigsten ist, dass die Banken verpflichtet werden, die überaus grossen amerikanischen Teile abzuspalten», erklärte der SVP-Chefstratege im «Tages-Anzeiger» vom Samstag. Es seien bisher vor allem die amerikanischen Teile, welche eine Bankenkrise in der Schweiz verursacht hätten. «Wenn wir Amerika ausgliedern, trennen wir auch automatisch das Investmentbanking vom risikoärmeren Vermögensverwaltungsgeschäft in der Schweiz», sagte Blocher wörtlich.

 

Grübel im Radio

 

Während also Oswald Grübel mit positiven Zahlen zu gefallen wusste, fiel er gleichentags mit negativen Äusserungen auf Radio DRS auf. Nicht zum ersten Mal forderte er eine breite Diskussion über die Auswirkungen, welche die vom Bundesrat vorgeschlagene Bankenregulierung auf die Schweizer Wirtschaft haben könnte. Forderungen von Seiten der UBS-Spitze kommen generell schlecht an. Nicht nur linke Politiker sind der Meinung, dass eine Grossbank, welche nur mit staatlicher Hilfe überleben konnte, vor allem dankbar sein und keine Forderungen stellen sollte. Immerhin hat Konzernchef Grübel diesmal die Drohung eines Wegzuges der UBS nicht wiederholt und sogar relativiert. «Wir haben unser Stammhaus in der Schweiz und möchten auch hier bleiben.»

 

Erschienen in dre BZ am 27. April 2011

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Claude Chatelain