Telefon-Hotline: "Warum gehen die Erben leer aus?"

Pensionskassen sind für viele ein Buch mit sieben Siegeln. Entsprechend zahlreich waren an der Hotline vergangener Woche die Fragen. Eine Auswahl.

1. Ich arbeite bei einem Arbeitgeber zu 70, bei einem anderen zu 30 Prozent. Bei beiden Pensionskassen wird mir der volle Koordinationsbetrag von 24360 Franken abgezogen. Ist das richtig?

Sie sind nur für den Haupterwerb obligatorisch in der beruflichen Vorsorge versichert. Für den Lohn aus dem Nebenerwerb können Sie entweder auf die Versicherung verzichten oder ihn freiwillig versichern lassen. Wenn das Reglement der Pensionskasse Ihres Hauptarbeitgebers es vorsieht, ist diese freiwillige Versicherung dort möglich. Ansonsten können Sie sich an die Auffangeinrichtung BVG wenden (www.chaeis.net). Der Koordinationsabzug wird dann vom gesamten Lohn nur einmal abgezogen und proportional nach der Höhe des Lohnes aufgeteilt.

 

2. Ich habe mich fristgerecht ein Jahr vor der Pensionierung für den Kapitalbezug entschieden. Nun möchte ich doch lieber die Rente. Kann ich den Entscheid rückgängig machen?

Die Frage ist umstritten. Nach Ansicht des Gesetzgebers ist die Rente die Regel, der Kapitalbezug die Ausnahme. Deshalb sollten Sie grundsätzlich das Recht auf eine Rente haben. Es gibt freilich Vorsorgeeinrichtungen, etwa die Bundespensionskasse Publica, bei welcher man solche Entscheide nicht rückgängig machen kann.

 

3. Warum wird vom AHV-Lohn ein Koordinationsabzug vorgenommen und damit der in der beruflichen Vorsorge versicherte Lohn heruntergesetzt?

Im Dreisäulenkonzept soll die 2. Säule zusammen mit der 1. Säule die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung erlauben. Dieses Ziel ist nach den Vorstellungen des Gesetzgebers erreicht, wenn man im Alter mit den Renten der AHV und der beruflichen Vorsorge zusammen auf ein Einkommen kommt, das ungefähr 60 Prozent des letzten Bruttoerwerbseinkommens entspricht. Mit dem Koordinationsabzug werden die Renten der AHV und der Pensionskasse koordiniert.

 

4. Wenn ich als alleinstehende Person die Rente nehme und schon bald sterbe, verdient die Pensionskasse an mir. Warum wird das verbleibende Geld nicht den Erben ausbezahlt?

Mit dem Geld, das bei Verstorbenen übrig bleibt, werden die Renten der 100-Jährigen bezahlt. Die Versicherten einer Pensionskasse bilden eine Solidaritätsgemeinschaft. Würden Pensionskassen das Geld den Erben auszahlen, müssten sie die Renten der 100-Jährigen anderweitig finanzieren. Das heisst, sie müssten das sogenannte Langzeitrisiko versichern. Das ginge nur mit höheren Lohnabzügen oder mit tieferen Renten.

 

5. Ich bin Chinese und gehe zurück nach Hongkong. Kann ich mein Pensionskassenguthaben mitnehmen und muss ich es versteuern?

Ja, Sie können die volle Freizügigkeit mitnehmen, nicht nur die Arbeitnehmerbeiträge, wie das bis 1995 üblich war. Und ja, Sie müssen den Kapitalbezug versteuern. Die Höhe dieser Kapitalauszahlungssteuer ist von Kanton zu Kanton, ja von Gemeinde zu Gemeinde verschieden. Massgebend ist der Steuersatz jener Gemeinde, in welcher Sie wohnhaft sind. Wenn Sie sich nun abmelden und das Geld erst beziehen, sobald Sie sich in Hongkong niedergelassen haben, gilt der Steuersatz jener Gemeinde, wo die Vorsorgeeinrichtung ihren Sitz hat. Deshalb der Tipp: Überweisen Sie das Freizügigkeitsguthaben auf ein Konto einer Stiftung, die ihren Sitz im Kanton Schwyz hat. Dort ist die Steuer am tiefsten.

 

6. Ich lasse mich von meinem Mann scheiden. Wie läuft das mit seiner Pensionskasse? Er bezieht bereits eine Altersrente.

Normalerweise wird das während der Ehe gesparte Guthaben der Pensionskasse geteilt. Da Ihr Mann bereits eine Rente bezieht, ist eine Teilung nicht mehr möglich. Wenn Ihnen Ihr Mann gemäss Scheidungsurteil Unterhaltsbeiträge zahlen muss, so erhalten Sie diese nur bis zu seinem Tod. Die Pensionskasse wird die Zahlung dieser Unterhaltsbeiträge nicht übernehmen. Von der Pensionskasse Ihres Mannes erhalten Sie nur noch eine Geschiedenen-Witwenrente, die oft sehr bescheiden ist. Dieses Problem muss der Richter im Rahmen der güterrechtlichen Auseinandersetzung berücksichtigen.

 

7. Soll ich das Geld auf dem Freizügigkeitskonto in Wertschriften anlegen?

Wertschriftenanlagen sind nur langfristig sinnvoll. Wenn Sie eine neue Stelle antreten, ist Ihr Freizügigkeitsguthaben der Pensionskasse des neuen Arbeitgebers zu überweisen. Falls Sie nun mit dem Geld Anlagefonds gekauft hätten, müssten Sie diese zuerst verkaufen. Bei kurzfristigen Anlagen von ein paar wenigen Jahren oder gar Monaten ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass Sie die Wertschriften mit Verlust verkaufen müssten.

 

8. Meine Frau hat nur ein bescheidenes Kapital auf dem Freizügigkeitskonto. Ich bin überzeugt, da sind noch irgendwo Gelder vorhanden, von welchen meine Frau nichts weiss.

Für solche Fälle gibt es die Zentralstelle 2.Säule. Sie ist gewissermassen die Verbindungsstelle zwischen den Einrichtungen der beruflichen Vorsorge und den Versicherten. Ihre Aufgabe besteht darin, unterbrochene Kontakte zwischen den Versicherten und den Einrichtungen wieder herzustellen.

 

9. Ich habe vor, nach der Scheidung grössere Einkäufe in die Pensionskasse zu tätigen. Macht es einen Unterschied, ob ich das Geld Anfang oder Ende Jahr überweise?

Ja, die Einkäufe werden ab dem Tag des Buchungseingangs verzinst. Jetzt stellt sich einfach die Frage, wo es mehr Zins gibt, bei der Pensionskasse oder bei der Bank. Wenn ihre Pensionskasse nicht gerade eine Nullzinsrunde wegen Sanierungsmassnahmen eingeläutet hat, dürfte ihr Zins höher sein, zumal dieser erst noch steuerfrei ist.

 

10. Ich werde für mehrere Jahre nach Deutschland arbeiten gehen. Kann ich mir das Pensionskassenkapital auszahlen lassen?

Auszahlen lassen können Sie nur den überobligatorischen Teil ihres Guthabens. Also jener Teil, der über dem obligatorisch angesparten Guthaben liegt. Das im Rahmen des gesetzlichen Obligatoriums gesparte Guthaben wird der Vorsorgeeinrichtung Ihres neuen Arbeitgebers in Deutschland überwiesen. So will es das bilaterale Abkommen zwischen den EU-Staaten und der Schweiz.

 

Erschienen in der BZ am 5. April 2011

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Claude Chatelain