Vierte Säule: Verdienen Studies zu viel; zahlen die Eltern die Zeche

Verdient der Student über 24'000 im Jahr, können die Eltern Kinderabzug nicht mehr geltend machen.
Verdient der Student über 24'000 im Jahr, können die Eltern Kinderabzug nicht mehr geltend machen.

Obschon die Frist für die Steuererklärung vor zwei Wochen abgelaufen ist, widmen wir uns heute diesem munteren Thema. Steuern spart man nicht erst beim Ausfüllen der Steuererklärung in den Monaten Februar und März. Steuern optimiert man das ganze Jahr hindurch.

Nehmen wir die Ausbildungskosten für das erwachsene Kind. Der Kinderabzug beträgt im Kanton Bern 6300 Franken. Für auswärtige oder zusätzliche Ausbildungskosten kommen zusätzlich maximal 6000 Franken hinzu. Adam Riese kommt somit auf einen Kinderabzug von 12'300 Franken. Diese Abzüge können nur vorgenommen werden, sofern der in Ausbildung befindliche Nachwuchs neben dem Studium nicht allzu viel verdient. Garniert der Sohn oder die Tochter mehr als 24'000 Franken pro Jahr, ist der Abzug nicht mehr erlaubt.

 

Liebe Werkstudenten, haben Sie daran gedacht? Stellen Sie sich vor, Sie verdienen pro Jahr über 24'000 Franken. Ihre Eltern könnten dann die genannten Abzüge von 12'300 Franken nicht geltend machen. Wie stark sich das auf die Steuerrechnung niederschlägt, hängt vom Grenzsteuersatz ab. Dieser kann über 30 Prozent betragen, wie mein Kollege Bernhard Kislig kürzlich aufgezeigt hat (Ausgabe vom 22. Februar 2011). Bei einem Bruttoeinkommen von 100'000 bis 150'000 Franken liegt der Grenzsteuersatz in der Stadt Bern bei 24 Prozent. Könnten die Eltern wegen des üppigen Salärs des in Ausbildung befindlichen «Kindes» den Kinderabzug von 6300 und die Ausbildungskosten von 6000 Franken nicht geltend machen, würde die Steuerrechnung beim genannten Grenzsteuersatz um rund 3000 Franken höher ausfallen, eben um die 24 Prozent der Abzüge von 12'300 Franken. Dies nur deshalb, liebe Studis, weil Sie im betreffenden Steuerjahr mehr als 24'000 Franken verdient haben. Shame on you. Legen Sie Ihren Eltern diese Rechnung vor. Sagen Sie ihnen, Sie würden nur 24'000 statt 25'000 Franken verdienen, stattdessen möchten Sie die Hälfte der dadurch erzielten Steuerersparnis haben, nämlich 1500 Franken. Eine klassische Win-win-Situation.

 

Erschienen in der BZ am 5. April 2011

Claude Chatelain