Berner Kursaal mit viel Fantasie

Die Aktien von Kursaal Bern sind nicht börsenkotiert.
Die Aktien von Kursaal Bern sind nicht börsenkotiert.

Gemessen am Aktienkurs ist die Kongress und Kursaal Bern AG gut unterwegs. Für Fantasie sorgen die Aussichten, in Neuenburg ein Casino betreiben zu können.

 

Kein Seilbahn- und auch kein Bauunternehmen verzeichnet im ersten Quartal den höchsten Kursanstieg der nichtkotierten Berner Aktien, sondern die Kongress und Kursaal Bern AG. Der Geldkurs stieg in drei Monaten um 18,3 Prozent auf 550 Franken. Gestützt auf die effektiv bezahlten Kurse ist der Anstieg jedoch bereits im Vorjahr erfolgt. Die Geschäftszahlen für 2010 werden erst am 31. Mai 2011 bekannt gegeben.

Es ist mit einem erfreulichen Resultat zu rechnen. Schon im November 2010 war in einem Anlegermagazin zu lesen: «Verwaltungsratspräsident Daniel Frei ist erfreut über den Geschäftsverlauf in diesem Jahr.» Beigetragen zur positiven Einschätzung hat aber auch eine Analyse von Swiss Equity, die selbst unter Annahme eines 10-prozentigen Gewinnrückgangs auf ein attraktives Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8 kommt. «Zudem notieren die Papiere deutlich unter dem Buchwert, was sie vor allem für Investoren mit einem Faible für Substanzanlagen interessant macht», schreibt Swiss Equity weiter. Die Dividende von Fr. 12.50 ergibt beim heutigen Kursniveau eine Rendite von 2,27 Prozent.

Casino Neuenburg
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Investition schürt Fantasie

 

Was Anlegern gefällt, sind vielversprechende Investitionen. Auch das scheinen sie beim Kursaal gefunden zu haben. Er investiert in den kommenden zwei Jahren über 35 Millionen Franken in den Kongressbereich und dürfte damit zu einem der führenden Anbieter von internationalen Kongressen werden. Für eine gewisse Kursfantasie sorgt weiter die Bewerbung um die Spielbankenkonzession in Neuenburg. Wer von den vier Bewerbern den Zuschlag erhält, dürfte im Mai vom Bundesrat bekannt gegeben werden. Unter diesen vier ist die Kongress und Kursaal Bern AG das einzige reine Schweizer Unternehmen, was gerade bei der Vergabe von Spielbankenlizenzen den Ausschlag geben könnte. Das Casinogeschäft ist lukrativ: Es steuert beim Kursaal Bern zwei Drittel zum Gewinn bei. Schliesslich möchte der Kursaal das geplante Fünfsternhotel am heutigen Post-Hauptsitz oberhalb des Bärenparks betreiben. Ob auch diese Pläne einige Investoren dazu bewogen haben, der Aktie ein gewisses Wachstumspotenzial zuzutrauen, ist eher zu bezweifeln. Die Realisierung liegt in ferner Zukunft und ist noch mit einigen Unsicherheiten behaftet.

 

INFOTHEK

Diese Zeitung publiziert alle drei Monate die Kursentwicklung ausgewählter nichtkotierter Berner Aktien. Die Rangliste hat aber teilweise Zufallscharakter, denn nicht alle Aktien werden regelmässig gehandelt. Eine einzige grössere Transaktion kann hohe Kursschwankungen und grosse Verschiebungen in der Rangliste hervorrufen. Weil bei einigen Aktien die letzte

 

 

Handänderung mehrere Wochen, wenn nicht Monate zurückliegt, wird hier nicht auf den zuletzt bezahlten Kurs, sondern auf den gestellten Geldkurs abgestellt. Die nichtkotierten Aktien können über die OTC-X, die Handelsplattform der Berner Kantonalbank, gekauft und verkauft werden. Die Webadresse lautet: www.otc-x.ch.


Kotierte Berner Aktien: Der Solarfirma aus Thun steht keine andere in der Sonne

An der Börse gehandelte Aktien haben üblicherweise kleinere Ausschläge als Nichtkotierte. Diesmal ist es zumindest bei den Gewinnern anders.

 

Niemand wird überrascht sein, dass Meyer Burger im ersten Quartal 2011 den grössten Kurssprung der Berner Aktien verzeichnet: Das Thuner Unternehmen verdient sein Geld mit Solartechnik. Überraschender ist die 35-prozentige Anvance von Mikron. Böse Zungen werden behaupten, das sei mit dem Rücktritt von Bundesrat Johann Schneider-Ammann als VR-Präsident zu erklären. Wohlwollende Gemüter weisen lieber auf den Geschäftsgang hin: Nach einem Verlust von 33 Millionen im Jahr 2009 schrieb der Bieler Maschinenbauer im vergangenen Jahr eine schwarze Null. Bemerkenswert ist ferner, dass die Valiant-Aktie weiter unter Druck geraten ist, nachdem sie schon 2010 um 35 Prozent eingebrochen war.

Den Jungfraubahnen scheint indessen der drohende Nachfrageausfall japanischer Gäste (noch) nichts anhaben zu können, obschon sie mit einem Anteil von 22 Prozent einen gewichtigen Anteil stellen. Zufällig könnte dagegen das 2-prozentige Plus der Berner-Oberland-Bahnen sein: Nur 7 Prozent des Aktienkapitals wird über die Börse gehandelt. 70 Prozent sind im Besitz von Bund und Kanton Bern. Bei der BKW schliesslich sieht das Minus von 8,1 Prozent glimpflich aus. Freilich muss man wissen, dass die Stromaktie vor der Volksabstimmung im Kanton Bern bis auf Fr. 80.50 geklettert war, ehe sie nach der Nuklearkatastrophe um 18 Prozent in die Tiefe sackte. Dass überhaupt die Aktien eines Stromproduzenten auch heutzutage an der Börse gehandelt werden, ist so oder so ein Anachronismus. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

Erschienen in der BZ am 5. April 2011


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Claude Chatelain