Dem Cousin das Auto verbeult

Wer bezahlt?
Wer bezahlt?

Wer gelegentlich fremde Autos fährt, kann in der Privathaftpflicht das Fahren fremder Fahrzeuge einschliessen. Was nicht heissen will, dass damit die Probleme vom Tisch sind.

Die Geschichte geht so: Daniele Sarasino aus Seltisberg in Baselland überlässt einem Verwandten seinen Honda kurz zum Gebrauch. Leider baut dieser einen Unfall. Schadensumme: 12 900 Franken. Glücklicherweise hat der Verunfallte in seiner Privathaftpflichtversicherung der Mobiliar das Risiko «gelegentliches Fahren fremder Fahrzeuge» eingeschlossen. Für die beiden Verwandten war sofort klar: Die Mobi wird den Schaden übernehmen, hat doch der verunfallte Chauffeur für ebensolche Fälle den Zusatz «gelegentliches Fahren fremder Fahrzeuge» eingeschlossen.

 

Da hatten die beiden Baselbieter die Rechnung ohne Kenntnis des Kleingedruckten gemacht. Die Privathaftpflicht zahlt nur subsidiär. Da nun Daniele Sarasino auf seinem Honda bei der Basler eine Vollkaskoversicherung abgeschlossen hat, wird nicht die Versicherung des Unfallfahrers, sondern die Vollkasko des Fahrzeughalters den Schaden übernehmen. Die Versicherung des Unfallfahrers, also die Mobiliar, zahlt bloss den Selbstbehalt von 1000 Franken.

Bonusverlust

Nun treiben s

elbst verursachte Autoschäden die Bonusstufen in die Höhe. Zur Erinnerung: Die Versicherer berechnen die Prämien gestützt auf zwei Werte: Grundprämie und Bonusstufe. Für jedes schadenfreie Jahr kommt der Fahrzeughalter in den Genuss einer tieferen Stufe. Sarasinos Bonusstufe liegt auf dem Minimum von 30 Prozent. Baut er einen Unfall, wird die Prämie dank dem Bonusschutz noch nicht angehoben. Erst bei einem zweiten Unfall müsste er einen Bonusverlust hinnehmen.

 

Man müsste meinen, die Deckung «gelegentliches Fahren fremder Fahrzeuge» müsste den Bonusschutzverlust übernehmen. Die Mobiliar tut dies jedoch nur für ein Jahr. Baut Daniele Sarasino nach Ablauf dieses Jahres einen Unfall, kommt er in eine höhere Bonusstufe. Hätte sein Verwandter keinen Unfall verursacht, müsste Daniele Sarasino bei einem Unfall nach Ablauf des Jahres keinen Bonusverlust in Kauf nehmen.

 

Vertreter von Basler und Mobiliar, die mit diesem Fall konfrontiert wurden, geben zu, dass der Sachverhalt im vorliegenden Fall extrem kompliziert sei. So kompliziert, wie das Kleingedruckte eben ist.

 

Erschienen in der BZ am 29. März 2011

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Claude Chatelain